Wenn am 6. November 156 Spieler im INFINITUM an der Costa Dorada abschlagen, werden nur noch 15 Karten für die DP World Tour vergeben – nach 20 im Vorjahr und 25 im Jahr 2023. Es ist die erste Final Stage unter den neuen Mitgliedschaftsregeln der Tour und der Auftakt zu einem Experiment: Können weniger Karten bessere Karten bedeuten?
Zehn Karten weniger in drei Jahren
Das Format im INFINITUM, südlich von Barcelona, bleibt vertraut: sechs Runden, 108 Löcher, ein Cut nach 72 Löchern. Die Belohnung dagegen ist knapper geworden. Nur die besten 15 einschließlich Schlaggleicher erhalten Spielrecht auf der DP World Tour für 2027 sowie den vollen Status auf der HotelPlanner Tour.
Die Verknappung kam schrittweise, aber konsequent. 2023 wurden in der Final Stage noch 25 Karten vergeben, ab 2024 waren es 20, jetzt sind es 15 – ein Rückgang um 40 Prozent in drei Jahren. Bei einem Feld von 156 Spielern sinkt die Quote damit von etwa einem Sechstel auf rund ein Zehntel.
Überraschend kommt das nicht. Die Tour hatte die Änderung im November 2025 gemeinsam mit dem Turnierkalender 2026 angekündigt. Doch das INFINITUM ist die erste Final Stage, die nach den neuen Regeln gespielt wird – und damit der erste Praxistest.
Nicht alle Finalisten kommen auf demselben Weg ans Ziel. Die Second Stage, die vom 29. Oktober bis 1. November auf vier spanischen Plätzen ausgetragen wird, stellt nur einen Teil des Feldes; der Rest ist direkt für die Final Stage qualifiziert. Wer Ende August in der First Stage begonnen hat, kommt auf insgesamt 14 Runden und 252 Löcher. Allein die Startgebühr liegt inzwischen bei 2.750 Pfund, nach 1.800 Pfund im Jahr 2019 – ein Anstieg um mehr als 50 Prozent. Reise, Unterkunft und Caddie sind darin noch nicht enthalten.

Drei Türen gleichzeitig enger
Die Q-School ist nur ein Teil der Geschichte. Die DP World Tour hat alle drei wichtigen Wege auf die Tour – und den Verbleib dort – gleichzeitig verschärft.
| Weg | Bisher | Für 2027 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Race to Dubai (Kartenerhalt) | Top 110 | Top 100 | 10 Plätze weniger |
| Aufstieg von der HotelPlanner Tour | Top 20 | Top 15 | 5 Plätze weniger |
| Q-School Final Stage | Top 20 inkl. Schlaggleicher | Top 15 inkl. Schlaggleicher | 5 Plätze weniger |
Insgesamt gibt es damit für 2027 rund 20 Inhaber einer vollen Karte weniger. Das heißt nicht, dass 20 Spieler einfach von der Tour verschwinden. Wer im Race to Dubai die Plätze 101 bis 110 oder in der Road to Mallorca die Plätze 16 bis 20 belegt, rutscht in konditionelle Kategorien weiter hinten in der Startberechtigungsliste. Diese Spieler haben weiterhin einen Weg ins Feld – nur einen deutlich unsichereren.
Die erste dieser Grenzen wird an diesem Wochenende gezogen. Die Genesis Championship in Südkorea ist das letzte Turnier der regulären Saison: Wer nach dem Finaltag am Sonntag unter den Top 100 im Race to Dubai steht, behält seine volle Karte für 2027. Für alle knapp dahinter geht es um den konditionellen Status – oder um das INFINITUM.
Guy Kinnings, CEO der European Tour Group, begründet die Reform mit mehr Planungssicherheit für die Kartenhalter. Die Logik ist schlüssig: Eine Karte ist deutlich weniger wert, wenn ihr Inhaber nicht weiß, in wie viele Turniere sie ihn tatsächlich bringt. Doch dieser Vorteil kommt zuerst denen zugute, die die Hürde nehmen. Für alle knapp dahinter ist der Weg nach oben schmaler geworden.
Zwei Touren, zwei Antworten auf dasselbe Problem
Die DP World Tour steht damit nicht allein. Die PGA Tour hat die Grenze für den vollen Status im FedEx Cup bereits von 125 auf 100 Spieler gesenkt und die Zahl der Aufsteiger von der Korn Ferry Tour von 30 auf 20 reduziert.
Doch die Amerikaner gehen weiter. Ab 2028 teilt sich die PGA Tour in zwei Ebenen – eine Championship Series und eine Challenger Series – mit Auf- und Abstieg dazwischen. 2027 ist das Übergangsjahr: Die Top 95 der finalen FedEx-Cup-Fall-Wertung ziehen in die Championship Series 2028 ein, die Plätze 96 bis 175 in die Challenger Series. Selbst die besten zehn der PGA-Tour-Q-School 2027 erhalten nur noch Status für die Challenger Series.
Der Unterschied ist aufschlussreich. Europa verengt eine einzige Tour mit der HotelPlanner Tour als Unterbau. Die USA bauen ein zweistöckiges System. Beide reagieren auf dieselbe Frage – zu viele Spieler für zu wenige Startplätze in den wichtigen Turnieren –, aber auf sehr unterschiedliche Weise.
Und Europa verkleinert dabei keineswegs seine Präsenz. Der Kalender 2027 umfasst mindestens 42 Turniere in 24 Ländern, mit der Rückkehr der Singapore Open, der Hong Kong Open und der Portugal Open. Die Tour bleibt so breit aufgestellt wie nie – und verringert zugleich die Zahl der Spieler mit bevorzugtem Zugang.
Was eine Q-School-Karte wirklich wert ist
Das ist der am wenigsten sichtbare Teil der Reform und vielleicht der wichtigste. Wer im INFINITUM unter die besten 15 kommt, erhält Spielrecht auf der DP World Tour. Einen Startplatz in allen 42 Turnieren garantiert das nicht.
Jedes Turnier hat seine eigene Feldgröße und arbeitet dieselbe Rangfolge ab: zuerst Turniersieger und exemptierte Spieler, dann die bestplatzierten Mitglieder, dann die verschiedenen Qualifikationswege. Für einen Q-School-Absolventen hängt der Wert seiner Karte also von zwei Dingen ab: dem Recht, sich zu melden – und der Zahl der Turniere, in die er tatsächlich ins Feld rutscht.
Genau an dieser zweiten Zahl will die Tour drehen. Mit weniger Q-School-Absolventen, weniger Aufsteigern von der HotelPlanner Tour und einer niedrigeren Grenze für den Kartenerhalt sollten Spieler mit bevorzugter Karte bei sonst gleichen Bedingungen weniger Konkurrenz um die Startplätze haben. Die Plätze 101 bis 110 des Race to Dubai etwa starten zunächst hinter den Q-School-Absolventen in die Saison, bevor im Jahresverlauf neu sortiert wird; die Plätze 16 bis 20 der Road to Mallorca stehen noch weiter hinten.
Ein Urteil wäre aber verfrüht. Feldgrößen, Einladungen und co-sanktionierte Turniere können die tatsächliche Zahl der Starts verschieben. Ob die 15 Absolventen dieses Jahres mehr Turniere spielen werden als die 20 des Vorjahres, kann heute niemand sagen. Die Reform schafft die Voraussetzungen für besseren Zugang – den Beweis liefern erst die Startlisten 2027.
INFINITUM: sechs Runden für 15 Karten
Das INFINITUM richtet die Final Stage zum achten Mal seit 2017 aus, unterbrochen nur durch zwei Jahre Pandemiepause; der Vertrag läuft bis 2027. Aus deutscher Sicht hat der Ort einen guten Klang: 2023 gewann hier Freddy Schott die Final Stage und sicherte sich seine Karte für die DP World Tour.
Die ersten vier Runden werden auf dem Lakes und dem Hills Course gespielt. Der von Alfonso Vidaor entworfene Hills Course hat gerade einen zweistufigen Umbau unter der Leitung von Dave Sampson (European Golf Design) hinter sich, mit einem neu gestalteten ersten Loch und einem Inselgrün an der 18 vor der Kulisse eines alten Steinbruchs. Es ist sein erster Test unter Turnierbedingungen. Auf dem von Greg Norman entworfenen Lakes Course, 2024 für 1,5 Millionen Euro renoviert, werden nach dem Cut die letzten 36 Löcher gespielt.
Im Vorjahr gewann der Südafrikaner Zander Lombard mit 37 unter Par und 13 Schlägen Vorsprung. Doch für fast alle im Feld ist nicht der Sieg das Ziel, sondern Platz 15 – und an einem Schlusstag der Q-School kann eine bequeme Ausgangslage nach vier Runden binnen weniger Löcher dahin sein.
Der eigentliche Test beginnt im Januar
Die Reduzierung von 25 auf 15 Karten steht außer Frage, ebenso die Verschärfung über die HotelPlanner Tour und das Race to Dubai. Offen ist, ob sie ihr Ziel erreicht.
Wenn die diesjährigen Absolventen mehr Starts bekommen, ihre Saison früher planen können und bessere Chancen haben, ihre Karte zu halten, hat die Tour jede einzelne Karte aufgewertet. Bleiben die Abstände zwischen den Kategorien groß und kommen die Absolventen weiterhin schwer in die Felder, hat sie die Q-School schlicht nur schwerer gemacht.
Für 15 Spieler endet im INFINITUM ein langer Weg. Für die DP World Tour beginnt dort erst der Test.
Quellen: DP World Tour, „Pathways onto the DP World Tour“ und Kalender der Qualifying School 2026; Ankündigungen der PGA Tour vom 23. Juni und 15. September 2026; Pressemitteilung INFINITUM/Azalea; Golf Bible (Startgebühren); MyGolfMedia-Analyse des DP-World-Tour-Kalenders 2027.
