Driving Distanz von Amateurgolfern laut Arccos Studie 2026 auf Basis von fast 10 Millionen DrivesDie Arccos Studie 2026 analysiert fast 10 Millionen Drives und zeigt große Unterschiede bei Schlagweite, Präzision und Fehlerquote je nach Handicap und Alter.

Seit Jahren dreht sich die Diskussion um die Schlagweite im Golf vor allem um eine Frage: Schlagen Golfer den Ball inzwischen zu weit? Fortschritte bei Drivern, Golfbällen, Schäften, Fitting und Athletik haben die Vorstellung verstärkt, Golfplätze müssten immer länger werden, um mit der steigenden Leistungsfähigkeit der Spieler Schritt zu halten. Verlässt man jedoch den Spitzensport und betrachtet, was bei Amateurgolfern tatsächlich auf dem Platz passiert, ergibt sich ein deutlich anderes Bild.

Arccos hat die Ausgabe 2026 seines jährlichen Driving Distance Reports veröffentlicht. Die besondere Stärke dieser Untersuchung liegt in der enormen Datenmenge: Mehr als 5 Millionen im Jahr 2025 gespielte Runden, fast 10 Millionen Abschläge mit dem Driver und eine Zufallsstichprobe von mehr als 37.000 Golfern wurden ausgewertet. Jeder dieser Spieler hatte mindestens 100 Drives aufgezeichnet. Die gesamte Arccos-Datenbank umfasst inzwischen mehr als 1,5 Milliarden Schläge aus 25 Millionen Golfrunden in über 160 Ländern.

Dabei handelt es sich weder um geschätzte Schlagweiten noch um Drives auf der Driving Range oder unter optimalen Bedingungen vor einem Launch-Monitor. Analysiert wurden tatsächlich auf dem Golfplatz gespielte Drives auf Par-4- und Par-5-Löchern. Die gemessene Distanz entspricht der Gesamtdistanz aus Carry und Roll. Vor allem ermöglicht diese Datenmenge, über die reine Schlagweite hinauszugehen und zu untersuchen, welchen Einfluss Alter, Spielstärke, Präzision und die Folgen schlechter Abschläge tatsächlich haben.

In acht Jahren haben männliche Amateure praktisch keine Distanz gewonnen

Das ist vermutlich die erste Zahl, die man aus der Studie mitnehmen sollte. 2018 betrug die von Arccos gemessene durchschnittliche Driving Distance bei Männern 224,0 Yards. 2025 waren es 224,1 Yards.

Praktisch keine Veränderung.

Auch die Jahre dazwischen zeigen dasselbe Bild: 222,2 Yards 2019, 223,3 im Jahr 2020, 221,7 im Jahr 2021, 224,1 im Jahr 2022, 225,0 im Jahr 2023, 224,3 im Jahr 2024 und schließlich 224,1 Yards im Jahr 2025. Über acht Jahre beträgt die Veränderung damit weniger als einen Yard. Auch bei den Frauen blieb die Driving Distance bemerkenswert stabil und bewegte sich innerhalb von vier Yards gegenüber dem Ausgangswert von 2018.

Für deutsche Leser sind die Werte in Metern vielleicht noch anschaulicher: Die durchschnittliche Driving Distance der Männer liegt 2025 bei rund 205 Metern – praktisch genauso weit wie bereits 2018.

Das ist besonders interessant, wenn man diese Entwicklung mit dem Fortschritt beim Golfequipment vergleicht. Seit 2018 kamen mehrere Generationen neuer Driver auf den Markt, mit immer komplexeren Schlagflächen, neuen Materialien und Gewichtsverteilungen, stärker spezialisierten Schäften und einem weiter verbreiteten Custom Fitting. Das bedeutet keineswegs, dass diese Innovationen wirkungslos sind. Ein einzelner Golfer kann durch den Wechsel von einem ungeeigneten zu einem optimal gefitteten Driver durchaus deutlich an Leistung gewinnen. Über Zehntausende Golfer hinweg haben diese Entwicklungen jedoch nicht zu einer deutlichen Steigerung der durchschnittlichen Driving Distance geführt.

Damit bestätigt die Arccos-Analyse auch eine Entwicklung, die bereits in den Daten von 2019 sichtbar war. Damals zeigte sich zwar seit Mitte der 1990er-Jahre eine deutliche Steigerung der Schlagweite, doch nach den größeren Sprüngen um 1999/2000 und 2004/2005 hatte sich diese Entwicklung erheblich verlangsamt.

Sieben zusätzliche Jahre Arccos-Daten zeigen weiterhin keine Explosion der Schlagweiten bei Amateuren.

Die Spielstärke sorgt für 58 Meter Unterschied vom Tee

Der allgemeine Durchschnitt von etwa 205 Metern verdeckt allerdings enorme Unterschiede zwischen verschiedenen Spielertypen.

Männliche Golfer mit einem Handicap zwischen 0,0 und 4,9 erreichen durchschnittlich rund 223 Meter, während Spieler mit einem Handicap von 30 oder höher lediglich etwa 166 Meter erzielen.

Das entspricht einem Unterschied von rund 58 Metern.

Nach den Arccos-Daten schlagen die besseren Spieler ihren Driver damit durchschnittlich 34,8 Prozent weiter als Golfer mit Handicap 30+. Dabei geht es nicht mehr um die wenigen zusätzlichen Meter, die ein neuer Driver oder ein anderer Golfball möglicherweise bringen kann. Ein Unterschied von fast 60 Metern verändert die Art und Weise, wie ein Loch gespielt wird, grundlegend.

Noch interessanter wird der Vergleich, wenn das Alter berücksichtigt wird. Zwischen den jüngsten männlichen Golfern und Spielern in ihren Siebzigern beträgt die durchschnittliche Differenz rund 46 Meter. Der mit der Spielstärke verbundene Abstand von 58 Metern ist damit sogar größer als der durchschnittliche Distanzverlust durch mehrere Jahrzehnte Alterung.

Einige Beispiele verdeutlichen das. Ein Golfer zwischen 50 und 59 Jahren mit einem Handicap unter fünf schlägt durchschnittlich rund 219 Meter. Ein Spieler derselben Altersgruppe mit Handicap 30+ erreicht lediglich etwa 161 Meter. Noch überraschender: Ein sehr guter Golfer zwischen 70 und 79 Jahren kommt im Durchschnitt noch auf etwa 191 Meter und schlägt damit weiter als ein Golfer in seinen Zwanzigern mit Handicap 30+, der rund 176 Meter erreicht.

Das Alter spielt also eindeutig eine Rolle, erklärt die Schlagweite aber keineswegs allein. Treffqualität, Schlägerkopfgeschwindigkeit, mittiger Ballkontakt, Launch-Bedingungen und die allgemeine Spielstärke bleiben entscheidende Faktoren.

Mit zunehmendem Alter sinkt die Distanz, aber die Präzision steigt

Der Einfluss des Alters auf die Leistung mit dem Driver ist dennoch deutlich erkennbar. Männliche Golfer zwischen 15 und 19 Jahren erreichen durchschnittlich rund 219 Meter, während Spieler in ihren Siebzigern bei etwa 174 Metern liegen. Das entspricht einem Verlust von ungefähr 46 Metern. Bei den Frauen zeigt sich ein ähnliches Muster: Golferinnen in ihren Zwanzigern erreichen rund 184 Meter, Spielerinnen in ihren Sechzigern etwa 144 Meter – ein Unterschied von rund 39 Metern.

Gleichzeitig passiert jedoch etwas Interessantes: Die Präzision nimmt zu.

Männer in ihren Zwanzigern treffen durchschnittlich lediglich 38 Prozent der Fairways, während Golfer in ihren Siebzigern 56 Prozent erreichen. Das sind 18 Prozentpunkte Unterschied. Bei den Frauen ist die Entwicklung nahezu identisch: Ihre durchschnittliche Driving Accuracy steigt von 46 Prozent in den Zwanzigern auf 63 Prozent in den Sechzigern – ein Plus von 17 Prozentpunkten.

Die Arccos-Daten zeigen damit einen recht deutlichen Zusammenhang zwischen sinkender Distanz und steigender Präzision im Laufe des Lebens. Die Geschwindigkeit nimmt ab und der Ball fliegt weniger weit, gleichzeitig werden die Abschläge insgesamt genauer.

Doch daraus zu schließen, man müsse lediglich auf Distanz verzichten, um besser Golf zu spielen, wäre zu einfach.

Mehr Fairways erklären den Unterschied zwischen guten und schlechten Spielern nicht

Hier liefert die Studie eines ihrer interessantesten Ergebnisse. Männliche Golfer mit einem Handicap zwischen 0,0 und 4,9 treffen durchschnittlich 50 Prozent der Fairways. Bei Spielern mit Handicap 30 oder höher sind es 40 Prozent. Lediglich zehn Prozentpunkte trennen die beiden Gruppen.

Bei der Schlagweite liegen dagegen fast 58 Meter zwischen ihnen.

Bei den Frauen ist der Zusammenhang zwischen Handicap und Fairwaytreffern noch geringer. Spielerinnen zwischen 0,0 und 4,9 erreichen eine durchschnittliche Driving Accuracy von 55 Prozent, während Golferinnen zwischen 25,0 und 29,9 bei 51 Prozent liegen. Arccos weist ausdrücklich darauf hin, dass bei den Frauen keine signifikante Korrelation zwischen Handicap und Driving Accuracy festgestellt wurde.

Diese Zahlen relativieren einen der klassischen Ratschläge im Golf: „Die Länge spielt keine Rolle, Hauptsache der Ball liegt auf dem Fairway.“

Natürlich bleibt ein getroffenes Fairway grundsätzlich wünschenswert. Die Daten zeigen jedoch, dass die reine Fairwayquote Unterschiede in der Spielstärke nur begrenzt erklärt. Ein Drive, der zwei Meter neben dem Fairway im Rough liegt und einen freien Schlag zum Grün ermöglicht, gilt statistisch ebenso als verfehltes Fairway wie ein Abschlag hinter einen Baum, ins Wasser oder ins Aus.

Für den Score sind die Folgen selbstverständlich völlig unterschiedlich.

Und genau hier wird die Arccos-Studie besonders interessant.

Der entscheidende Unterschied: 12 Prozent problematische Drives gegen 45 Prozent

Arccos unterscheidet zwischen einem einfachen verfehlten Fairway und einem Abschlag, der tatsächlich ein größeres Problem verursacht. Dazu gehören einerseits Drives, die zu einem Strafschlag führen – beispielsweise durch Aus, verlorenen Ball, Penalty Area oder unspielbare Lage – und andererseits Situationen, in denen ein Recovery-Schlag erforderlich wird und der Spieler den Ball nicht mehr normal Richtung Grün spielen kann.

Bei männlichen Golfern mit Handicap 0,0 bis 4,9 führen 4,4 Prozent der Drives zu einem Strafschlag und 7,6 Prozent zu einer Recovery-Situation. Insgesamt verursachen damit lediglich 12 Prozent ihrer Drives eine wirklich problematische Situation.

Mit steigendem Handicap nimmt dieser Anteil fast kontinuierlich zu: 16,9 Prozent bei Handicap 5 bis 9,9, 22,6 Prozent zwischen 10 und 14,9, 28,2 Prozent zwischen 15 und 19,9, 33,5 Prozent zwischen 20 und 24,9 sowie 38,2 Prozent zwischen 25 und 29,9.

Bei Golfern mit Handicap 30 oder höher sieht es völlig anders aus: 11,9 Prozent ihrer Drives führen zu einer Strafe, 33,2 Prozent erfordern eine Recovery und insgesamt 45,1 Prozent ihrer Abschläge werden von Arccos als problematisch eingestuft.

Das ist fast jeder zweite Drive.

Diese Statistik ist wahrscheinlich aussagekräftiger als die reine Fairwayquote. Ein guter Golfer legt seinen Ball keineswegs bei jedem Abschlag mitten auf das Fairway. Wenn er sein Ziel verfehlt, behält er jedoch wesentlich häufiger die Möglichkeit, normal Richtung Grün weiterzuspielen. Der Spieler mit hohem Handicap produziert dagegen deutlich mehr Abschläge, nach denen er seitlich herausspielen, einen Sicherheitsschlag ausführen, einen Ball für unspielbar erklären oder einen Strafschlag hinnehmen muss.

Das Ziel beim Driving könnte deshalb anders formuliert werden: Es geht nicht unbedingt darum, jedes Fairway zu treffen. Entscheidend ist vielmehr, die wirklich schlechten Abschläge schrittweise zu eliminieren.

Allein die Höhenlage kann fast 18 Meter bringen

Eine weitere Zahl aus dem Arccos-Report zeigt, warum Vergleiche von Driving-Distanzen immer mit einer gewissen Vorsicht betrachtet werden sollten. Arccos untersuchte die Leistung eines repräsentativen 10-Handicap-Golfers in Abhängigkeit von der Höhenlage des Golfplatzes.

Auf Meereshöhe betrug die durchschnittliche Driving Distance etwa 202 Meter. Auf Plätzen in mehr als rund 1.500 Metern Höhe stieg sie auf ungefähr 219 Meter.

Das entspricht einem Unterschied von 17,6 Metern beziehungsweise 8,3 Prozent, ohne dass der Golfer seinen Schwung oder seinen Driver verändern musste.

Dieser Punkt ist umso wichtiger, weil Arccos ausdrücklich darauf hinweist, dass die allgemeinen Schlagweiten der Studie nicht hinsichtlich Wetter, Höhenlage oder Bodenbedingungen normalisiert wurden. Die enorme Größe der Stichprobe gleicht einen Teil dieser natürlichen Schwankungen aus, doch sie bleiben Bestandteil der Daten.

Temperatur, Wind, Höhenlage, Fairwayhärte, Gefälle und Roll können erhebliche Distanzunterschiede erzeugen, ohne dass sich die Schlägerkopfgeschwindigkeit oder die Effizienz des Treffmoments eines Spielers verändert hat.

Auch 2026 besteht das Problem der Amateure nicht darin, den Ball zu weit zu schlagen

Als wir uns 2019 bereits mit diesem Thema beschäftigten, ging es unter anderem um die Diskrepanz zwischen der institutionellen Debatte über zunehmende Schlagweiten und der Realität, die die große Mehrheit der Amateurgolfer auf dem Platz erlebt. Die damaligen Zahlen zeigten zwar eine historische Zunahme der Driving Distance, gleichzeitig aber auch eine deutliche Verlangsamung dieser Entwicklung.

Der Arccos Driving Distance Report 2026 liefert nun eine Datenmenge, die mit den damaligen Untersuchungen kaum vergleichbar ist, und ermöglicht ein wesentlich genaueres Bild. In den vergangenen acht untersuchten Jahren hat sich die durchschnittliche Driving Distance männlicher Amateurgolfer praktisch nicht verändert. Sie liegt weiterhin bei rund 205 Metern, obwohl sich Equipment, Fitting und Technologien zur Leistungsoptimierung weiterentwickelt haben.

Die Unterschiede zwischen einzelnen Golfern bleiben dagegen enorm. Rund 58 Meter liegen zwischen männlichen Spielern mit einem Handicap unter fünf und Golfern mit Handicap 30 oder höher. Mit zunehmendem Alter geht zwar Distanz verloren, gleichzeitig verbessert sich die Präzision deutlich. Vor allem aber zeigt die Spielstärke sich nicht allein darin, wie häufig ein Golfer das Fairway trifft.

Sie zeigt sich auch darin, den Schlag zu vermeiden, der ein Loch zerstört.

Bei den besten Amateuren führt ungefähr jeder achte Drive zu einer Strafe oder Recovery-Situation. Bei Golfern mit Handicap 30 oder höher passiert das fast bei jedem zweiten Abschlag.

Das ist vielleicht die wichtigste Erkenntnis aus fast zehn Millionen analysierten Drives. Einige zusätzliche Meter können durchaus wertvoll sein, insbesondere für Golfer, denen tatsächlich Länge fehlt. Eine bessere Präzision kann ebenfalls helfen. Für viele Amateure sollte das erste Ziel jedoch möglicherweise darin bestehen, die extreme Streuung zu reduzieren und aus einem katastrophalen Drive einen lediglich unperfekten, aber weiterhin spielbaren Abschlag zu machen.

Denn ob ein Ball fünf Meter im Rough liegt und noch 140 Meter bis zum Grün bleiben oder mitten auf dem Fairway mit 155 Metern Restdistanz, ist möglicherweise weniger eindeutig, als es traditionelle Golfweisheiten vermuten lassen.

Der Unterschied zwischen einem spielbaren und einem verlorenen Ball ist dagegen ziemlich eindeutig.

Von Laurent Agostini

Laurent Agostini ist seit 2010 als Golfjournalist tätig. Er ist Gründer von MyGolfMedia und Autor mehrerer Golfbücher, darunter *Penser avant de swinguer*. Er beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen im Golfsport, Technologien, Ausrüstung und Methoden zur Spielverbesserung. Seine journalistische Arbeit zeichnet sich durch einen unabhängigen Ansatz aus, der auf Fakten, Daten und den Erfahrungen von Golfexperten basiert.

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