Golfanfängerin beim Golfunterricht mit einem Golflehrer auf einem Golfplatz in DeutschlandGolf anfangen: Mit professioneller Anleitung und einem schrittweisen Einstieg lassen sich die Grundlagen des Spiels leichter erlernen.

Sie haben noch nie einen Golfschläger in der Hand gehalten und fragen sich, ob Golf überhaupt etwas für Sie ist? Was kostet der Einstieg wirklich? Brauchen Sie sofort eine Clubmitgliedschaft? Müssen Sie zuerst die Platzreife machen? Welche Schläger benötigen Sie? Und kann Golf überhaupt Spaß machen, wenn Sie anfangs noch Schwierigkeiten haben, den Ball sauber in die Luft zu bekommen?

Golf hat in Deutschland noch immer ein besonderes Image. Für Außenstehende wirkt der Sport manchmal teuer, kompliziert und stark reglementiert. Golfclub, Platzreife, Handicap-Index, Greenfee, Etikette, Schläger, Kleidung: Schon die Begriffe können den Eindruck vermitteln, dass man erst einiges wissen muss, bevor man überhaupt anfangen darf.

Die Realität ist wesentlich einfacher.

Bevor Sie mehrere hundert Euro für einen neuen Schlägersatz ausgeben oder sich vornehmen, möglichst schnell 18 Löcher zu spielen, sollten Sie sich eine ganz andere Frage stellen:

Warum möchten Sie überhaupt Golf spielen?

Vielleicht suchen Sie eine sportliche Herausforderung. Vielleicht möchten Sie mit Freunden oder Ihrer Familie spielen, neue Menschen kennenlernen, auf Reisen besondere Plätze entdecken oder einfach mehr Zeit draußen verbringen.

Die Antwort ist wichtig. Denn nicht jeder Golfer braucht dasselbe Budget, dieselbe Ausrüstung oder dieselbe Art des Trainings.

Golf in Deutschland wächst wieder

Golf ist in Deutschland kein Massensport. Trotzdem ist die Zahl der Golfer zuletzt deutlich gestiegen.

Zum Stichtag 30. September 2025 waren 695.617 Golfspielerinnen und Golfspieler auf Anlagen des Deutschen Golf Verbandes registriert. Das waren 8.909 mehr als im Vorjahr und entsprach einem Wachstum von 1,3 Prozent. Nach Angaben des DGV wurde die Entwicklung insbesondere durch eine steigende Nachfrage jüngerer Erwachsener getragen.

Trotzdem spielt nur ein vergleichsweise kleiner Teil der deutschen Bevölkerung Golf.

Für Einsteiger ist das gar nicht unbedingt ein Nachteil. Denn hinter dem von außen manchmal etwas geschlossenen wirkenden Golfmilieu verbirgt sich eine sehr heterogene Gemeinschaft.

Manche Golfer wollen unbedingt ihren Handicap-Index verbessern und spielen regelmäßig Turniere. Andere gehen ein paar Mal im Monat auf den Platz. Manche verbringen Stunden auf der Driving Range und analysieren ihren Schwung. Andere betrachten eine Golfrunde vor allem als Gelegenheit, vier Stunden draußen mit Freunden zu verbringen.

Es gibt nicht den einen „richtigen Golfer“.

Das sollten Sie wissen, bevor Sie versuchen, einer zu werden.

Sie müssen kein Golfer sein, um einen Golfclub zu betreten

Es klingt paradox, ist aber eine erstaunlich verbreitete Sorge.

Viele Anfänger glauben, sie müssten bereits einigermaßen spielen können, bevor sie sich auf einer Golfanlage zeigen. Vielleicht befürchten sie, die Regeln nicht zu kennen, falsch gekleidet zu sein oder sich auf der Driving Range zu blamieren.

Dafür gibt es keinen Grund.

Golfanlagen bieten Schnupperkurse, Einsteigertrainings und Platzreifekurse an. Gerade die Driving Range ist der einfachste Ort, um herauszufinden, ob Ihnen die Bewegung und das Spiel grundsätzlich gefallen.

Für die ersten Versuche brauchen Sie keinen eigenen Schlägersatz.

Ein geliehener Schläger, einige Rangebälle und idealerweise die ersten Hinweise eines Golflehrers reichen vollkommen aus.

Und manchmal genügen schon einige wenige sauber getroffene Bälle, um zu verstehen, warum Menschen von diesem Spiel regelrecht abhängig werden können.

Wenn Ihnen diese ersten Versuche gefallen, sind einige Unterrichtsstunden allerdings fast immer sinnvoller, als alleine immer neue Ballkörbe auf der Range zu schlagen.

Die Platzreife: eine deutsche Besonderheit, die Sie kennen sollten

Wer in Deutschland mit Golf beginnt, stößt sehr schnell auf einen Begriff: Platzreife.

Vereinfacht gesagt soll die Platzreife zeigen, dass ein Anfänger technisch und regelkundlich so weit ist, dass er sich sicher, zügig und mit Rücksicht auf andere Spieler auf einem Golfplatz bewegen kann.

Allerdings gibt es einen wichtigen Unterschied zwischen einer allgemeinen Platzerlaubnis und der DGV-Platzreife.

Die DGV-Platzreife basiert auf einem einheitlichen Prüfungsstandard und darf nur von dafür lizenzierten, dem Deutschen Golf Verband angeschlossenen Anlagen angeboten werden. Die Prüfung umfasst Theorie, eine Platzbegehung und das Spiel auf dem Golfplatz.

Das bedeutet aber nicht, dass die Platzreife eine Art Führerschein ist, mit dem Sie automatisch auf jedem Golfplatz spielen dürfen.

Jede Golfanlage entscheidet im Rahmen ihres Hausrechts selbst, wer dort spielen darf und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen. Auch eine im Ausland erworbene Platzreife muss deshalb nicht automatisch auf einem deutschen Platz anerkannt werden.

Genau diese Unterscheidung ist für Anfänger wichtig.

Die Platzreife bestätigt, dass Sie grundlegende Voraussetzungen für das Spiel auf dem Platz erfüllen. Sie garantiert aber keinen universellen Zugang zu sämtlichen Golfanlagen.

Platzreife und Handicap-Index sind nicht dasselbe

Auch diese beiden Begriffe werden von Anfängern häufig miteinander verwechselt.

Der Handicap-Index (HCPI) beschreibt die Spielstärke beziehungsweise das Spielpotenzial eines Golfers und ermöglicht es Spielern unterschiedlicher Leistungsstärke, miteinander zu konkurrieren.

Seit 2021 gilt auch in Deutschland das World Handicap System. Vereinfacht ausgedrückt wird der Handicap-Index bei Spielern mit ausreichender Historie aus den besten acht der letzten zwanzig handicaprelevanten Ergebnisse berechnet.

Bei Anfängern liegt der Handicap-Index häufig zunächst bei 54. Die aktuellen DGV-Unterlagen weisen allerdings ausdrücklich darauf hin, dass nicht jeder Spieler zwingend mit 54 beginnen muss; entscheidend ist die ermittelte Spielstärke.

Für den Einstieg müssen Sie sich mit diesen Berechnungen jedoch nicht intensiv beschäftigen.

Lernen Sie zunächst, den Ball vernünftig zu treffen, sich sicher und zügig auf dem Platz zu bewegen und Spaß am Spiel zu haben.

Das Handicap wird später interessant.

Braucht man in Deutschland eine Clubmitgliedschaft?

Auch hier ist die Antwort differenzierter, als viele Anfänger vermuten.

Sie müssen nicht zwingend sofort eine teure Vollmitgliedschaft in einem Golfclub abschließen, um die ersten Schritte zu machen. Schnupperangebote, Driving Ranges, öffentliche Anlagen und verschiedene Mitgliedschaftsmodelle ermöglichen einen deutlich flexibleren Einstieg.

Wenn Sie später als Gast auf anderen Golfanlagen spielen möchten, können die Bedingungen allerdings unterschiedlich sein.

Der DGV weist darauf hin, dass Gastspieler auf fast allen deutschen Golfanlagen grundsätzlich willkommen sind und gegen Greenfee spielen können. Viele Anlagen verlangen jedoch neben der entsprechenden Spielberechtigung auch den Nachweis einer Mitgliedschaft in einem anderen Golfclub.

Deshalb sollten Sie vor einer Runde auf einem fremden Platz immer die jeweiligen Voraussetzungen prüfen.

Das deutsche System kann auf den ersten Blick etwas kompliziert wirken. In der Praxis genügt für den Anfang eine einfache Regel:

Suchen Sie zunächst eine Anlage, auf der Sie lernen möchten, und lassen Sie sich dort erklären, welche Schritte für genau diese Anlage erforderlich sind.

Wie lange dauert es, Golf spielen zu lernen?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort.

Wer einmal oder zweimal pro Woche trainiert und Unterricht nimmt, wird natürlich schneller Fortschritte machen als jemand, der einmal im Monat auf die Driving Range geht.

Viel wichtiger ist aber die Unterscheidung zwischen zwei Dingen:

Golf spielen können und gut Golf spielen können.

Sie können relativ schnell lernen, wie Sie sich auf einem Platz verhalten, welche Sicherheitsregeln gelten, wie ein Golfloch funktioniert und wie Sie einen Ball in Richtung Ziel bewegen.

Einen wiederholbaren Golfschwung aufzubauen, dauert deutlich länger.

Und die Driving Range bereitet Sie nur teilweise darauf vor, was auf dem Golfplatz passiert.

Auf der Range ist ein schlechter Schlag nach wenigen Sekunden vergessen. Sie ziehen den nächsten Ball heran und versuchen es erneut.

Auf dem Platz müssen Sie mit dem Ergebnis leben.

Der Ball liegt vielleicht im Rough, hinter einem Baum oder an einem Hang. Vor Ihnen wartet ein Bunker. Rechts lauert Wasser. Ihre Mitspieler schauen zu und hinter Ihnen nähert sich bereits die nächste Gruppe.

Jetzt müssen Sie entscheiden und wieder schlagen.

Hier beginnt das eigentliche Golflernen.

Golf ist körperlicher, als es im Fernsehen aussieht

Fernsehbilder vermitteln einen falschen Eindruck.

Ein Spieler schlägt, läuft einige Meter und die Kamera wechselt zum nächsten Profi.

Eine echte Golfrunde sieht anders aus.

Auf 18 Löchern sind Sie mehrere Stunden unterwegs und legen mehrere Kilometer zurück, häufig auf hügeligem Gelände. Dazu kommen die wiederholten Schwungbewegungen, bei denen Beine, Hüfte, Rumpf, Schultern und Arme zusammenarbeiten.

Golf ist natürlich kein hochintensives Ausdauertraining wie Laufen oder Radfahren.

Ein bewegungsarmer Sport ist es aber ebenfalls nicht.

Eine häufig zitierte schwedische Studie untersuchte mehr als 300.000 Golfer und stellte bei ihnen eine niedrigere Sterblichkeit als in der Vergleichsbevölkerung fest. Statistisch entsprach der Unterschied ungefähr fünf zusätzlichen Lebensjahren.

Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass Golfspielen das Leben automatisch um fünf Jahre verlängert.

Es handelte sich um eine Beobachtungsstudie. Sie zeigt einen Zusammenhang, beweist aber keine direkte Ursache. Lebensstil, sozioökonomische Faktoren und andere gesundheitliche Verhaltensweisen können ebenfalls eine Rolle spielen.

Die vernünftige Schlussfolgerung ist weniger spektakulär: Mehrere Stunden zu Fuß unterwegs zu sein, sich regelmäßig zu bewegen, Zeit im Freien zu verbringen und soziale Kontakte zu pflegen, sind interessante Begleiterscheinungen des Golfsports.

Mehr muss man daraus gar nicht machen.

Ein Sport für mehrere Generationen

Das ist vielleicht eine der größten Stärken des Golfsports.

Ein Jugendlicher kann mit seinem Großvater spielen. Eine Anfängerin kann gemeinsam mit jemandem auf die Runde gehen, der seit 30 Jahren Golf spielt.

Dank unterschiedlicher Abschläge und des Handicap-Systems können Menschen mit sehr unterschiedlicher Spielstärke gemeinsam spielen.

Nur wenige Sportarten ermöglichen das über einen so langen Zeitraum des Lebens.

Beim Fußball oder Tennis kann ein großer Leistungs- oder Altersunterschied schnell dazu führen, dass gemeinsames Spielen kaum noch sinnvoll möglich ist.

Golf funktioniert anders.

Man spielt denselben Platz und erlebt dieselbe Runde, ohne zwangsläufig dieselbe sportliche Leistungsfähigkeit besitzen zu müssen.

Deshalb kann Golf über Jahrzehnte Teil eines Familienlebens bleiben.

Ist Golf in Deutschland wirklich so teuer?

Golf kann sehr teuer sein.

Sie müssen aber nicht viel Geld ausgeben, um anzufangen.

Beides stimmt.

Ein hochwertiger Eisensatz, ein aktueller Driver, mehrere Wedges, ein Premium-Putter, Elektrotrolley, Entfernungsmesser, Schuhe, Kleidung und eine Vollmitgliedschaft in einem exklusiven Club können schnell mehrere Tausend Euro kosten.

Für Ihre ersten Monate brauchen Sie davon fast nichts.

Entscheidend ist vielmehr, wie Sie Golf spielen möchten.

Günstiger Einstieg: etwa 400 bis 700 Euro

Mit einem Schnupperangebot oder günstigen Platzreifekurs, geliehenen beziehungsweise gebrauchten Schlägern, Gruppentraining und einigen Rangebesuchen kann der Einstieg vergleichsweise preiswert bleiben.

Regelmäßiges erstes Jahr: etwa 800 bis 1.500 Euro

Platzreifekurs, Unterricht, eigene Einsteiger- oder Halbserie, regelmäßiges Training und einige Greenfees ergeben für einen aktiveren Einsteiger eine realistischere Größenordnung.

Intensiver Einstieg: ab etwa 2.000 Euro

Regelmäßige Einzelstunden, kompletter Schlägersatz, Clubmitgliedschaft und häufige Runden können die Kosten schnell erhöhen.

Diese Zahlen sind bewusst nur Größenordnungen. Die Unterschiede zwischen Regionen und Golfanlagen sind erheblich.

Die entscheidende Erkenntnis lautet deshalb:

Die teure Variante des Golfsports ist eine Möglichkeit – keine Voraussetzung für den Einstieg.

Fehler Nummer eins: Golfschläger zu früh kaufen

Das ist wahrscheinlich der Fehler, vor dem ich Anfänger nach vielen Jahren mit Golfschlägertests am stärksten warnen würde.

Sie betreten einen Golfshop und finden Driver für mehrere hundert Euro, besonders fehlerverzeihende Eisen, technisch aufwendige Putter und eine kaum überschaubare Auswahl an Schäften.

Vieles davon kann sinnvoll sein.

Aber vielleicht noch nicht für Sie.

In Ihren ersten Monaten wird sich Ihr Golfschwung wahrscheinlich stark verändern. Ihre Geschwindigkeit kann sich verändern. Ihr Treffmoment wird sich verändern. Haltung und Bewegungsablauf entwickeln sich.

Viel Geld für Schläger auszugeben, die auf einen Schwung abgestimmt sind, den Sie sechs Monate später möglicherweise gar nicht mehr machen, ist selten die beste Investition.

Eine Halbserie, Leihschläger oder gute gebrauchte Golfschläger reichen zunächst völlig aus.

Vor allem gilt:

Für die meisten Anfänger verbessern 300 Euro für guten Golfunterricht das Spiel stärker als zusätzliche 300 Euro für einen Driver.

Sobald Ihr Schwung stabiler wird, gewinnt das Material an Bedeutung. Dann können Schlägerlänge, Lie-Winkel, Gewicht, Schaft und Kopfdesign sinnvoll auf den Spieler abgestimmt werden.

Der beste Golfschläger ist nicht automatisch der neueste.

Es ist derjenige, der zum Spieler passt.

Fehler Nummer zwei: Golf ausschließlich mit YouTube lernen

Noch nie gab es so viele kostenlose Golflektionen.

Und noch nie konnten Anfänger sich so schnell widersprüchliche Ratschläge holen.

Ein Video fordert mehr Schulterdrehung. Das nächste empfiehlt weniger Rotation. Ein Trainer spricht über die Hände, der andere über die Hüfte.

Vielleicht haben alle recht.

Aber nicht für denselben Golfer.

Ein Golflehrer sieht den Schwung, den Sie tatsächlich machen – nicht den Schwung, den Sie glauben zu machen.

Einige Unterrichtsstunden zu Beginn können verhindern, dass sich Kompensationen einschleichen, deren Korrektur später Monate dauern kann.

Fehler Nummer drei: Zu schnell 18 Löcher spielen wollen

Die Driving Range kann irgendwann frustrierend werden.

Sie schlagen Golfbälle, spielen aber noch nicht wirklich Golf.

Natürlich möchten Sie auf den Platz.

Doch direkt auf einem langen und anspruchsvollen 18-Loch-Platz zu starten, kann genau das Gegenteil dessen bewirken, was Sie sich erhofft haben.

Schlechte Schläge häufen sich. Die Gruppe hinter Ihnen kommt näher. Sie werden hektisch. Der Schwung wird schneller und plötzlich fühlt sich die Runde wie Stress an.

Kurzplätze, Übungsbahnen und Neun-Loch-Runden sind deshalb kein „Golf zweiter Klasse“.

Für Anfänger können sie sogar die bessere Form des Golfs sein.

Dort lernen Sie, Schläger auszuwählen, Ziele anzuspielen, schlechte Schläge zu akzeptieren, zu putten und sich in angemessenem Tempo über einen Platz zu bewegen.

Fehler Nummer vier: Etikette unterschätzen

Ein Anfänger kann zehn schlechte Schläge machen, ohne jemanden zu stören.

Er kann sich aber innerhalb weniger Minuten unbeliebt machen, wenn er keine Rücksicht auf andere nimmt.

Golfetikette ist kein überholtes Ritual einer elitären Sportart.

Im Kern geht es um drei Dinge:

Sicherheit, Rücksicht auf den Platz und Spieltempo.

„Fore!“ zu rufen, wenn ein Ball in Richtung anderer Menschen fliegt, Pitchmarken auszubessern, Bunker zu harken, während des Schlags eines Mitspielers ruhig zu bleiben und die nachfolgende Gruppe nicht unnötig aufzuhalten, ist wichtiger als Ihr Score.

Ein Anfänger, der diese Dinge beachtet, wird normalerweise viel lieber als Mitspieler gesehen als ein erfahrener Golfer, der sie ignoriert.

Fehler Nummer fünf: Fortschritt nur am Score messen

Golf kann grausam sein.

Sie können besser werden, ohne dass Ihr Score sofort besser wird.

Ihre Eisenschläge werden vielleicht konstanter, während Sie rund ums Grün weiterhin viele Schläge verlieren. Ihre Drives werden besser, aber Sie benötigen auf mehreren Grüns drei Putts.

Oder Sie spielen 15 Löcher ordentlich und ruinieren Ihre Scorekarte auf den restlichen drei.

Beobachten Sie als Anfänger deshalb zunächst andere Dinge.

Treffen Sie den Ball häufiger sauber?

Verlieren Sie weniger Bälle?

Bewegt sich der Ball häufiger in die gewünschte Richtung?

Fühlen Sie sich auf dem Platz sicherer?

Können Sie ein Loch spielen, ohne dass jeder Schlag wie eine Notfallsituation wirkt?

Der Score wird diesen Fortschritt irgendwann widerspiegeln.

Nur nicht immer sofort.

Fehler Nummer sechs: Auf der Range nur Driver schlagen

Es ist verständlich.

Einen Golfball weit zu schlagen macht mehr Spaß als einen Ein-Meter-Putt zu üben.

Aber Golf wird nicht ausschließlich vom Abschlag gespielt.

Putten, Chippen, Pitchen, Bunkerschläge und kurze Annäherungen machen einen erheblichen Teil jeder Runde aus.

Gerade Anfänger können sich viel Frust ersparen, wenn sie früh lernen, den Ball aus kurzer Distanz zuverlässig aufs Grün zu bringen.

Sie müssen daraus keine Wissenschaft machen.

Teilen Sie einfach Ihre Trainingszeit etwas auf.

Der Driver darf weiterhin Spaß machen.

Er sollte nur nicht das gesamte Training ausmachen.

Warum möchten Sie eigentlich Golf spielen?

Damit kommen wir zur wichtigsten Frage dieses Artikels zurück.

Um zu reisen?

Deutschland besitzt selbst eine sehr vielfältige Golflandschaft, und Österreich, die Schweiz, Italien, Spanien oder Portugal sind für Golfreisen leicht erreichbar.

Wenn Reisen Ihre Motivation ist, muss Ihr erstes Ziel nicht unbedingt ein möglichst niedriger Handicap-Index sein.

Sie sollten vor allem sicher und selbstständig genug spielen können, um unterschiedliche Plätze genießen zu können.

Um Menschen kennenzulernen?

Golfclubs sind nicht nur Sportanlagen, sondern soziale Gemeinschaften.

Clubturniere, Mannschaften, offene Wettbewerbe und private Runden schaffen viele Möglichkeiten, andere Menschen kennenzulernen.

Und Sie brauchen nicht einmal sofort ein Gesprächsthema.

Sie haben bereits eines.

Wegen der sportlichen Herausforderung?

Dann kann Golf ziemlich süchtig machen.

Ballkontakt, Richtung, Länge, Streuung, Putten, Wedges, Course Management, Entscheidungen und mentale Stärke: Es gibt praktisch kein Ende dessen, was verbessert werden kann.

Und je besser Sie werden, desto genauer erkennen Sie, was noch nicht funktioniert.

Um mit der Familie zu spielen?

Vielleicht ist das einer der besten Gründe überhaupt.

Es spielt keine Rolle, wenn verschiedene Generationen von unterschiedlichen Abschlägen spielen oder unterschiedliche Handicap-Indizes besitzen.

Sie teilen trotzdem denselben Platz und dieselbe Runde.

Und das möglicherweise über Jahrzehnte.

Wie sollten Sie konkret anfangen?

Wenn ich heute jemandem in Deutschland den Einstieg in den Golfsport empfehlen müsste, würde ich es möglichst einfach halten.

Beginnen Sie mit einem Schnupperkurs. Geben Sie möglichst wenig Geld aus, bevor Sie wissen, ob Ihnen das Spiel überhaupt gefällt.

Nehmen Sie anschließend einige Unterrichtsstunden oder einen guten Platzreifekurs. Investieren Sie zuerst in das Lernen und erst danach in die Ausrüstung.

Nutzen Sie Leihschläger oder kaufen Sie zunächst gebrauchte Schläger beziehungsweise eine einfache Halbserie. Für hochwertige Ausrüstung bleibt später noch genügend Zeit.

Nutzen Sie die Platzreife als Lernweg und nicht nur als Prüfung. Regeln, Sicherheit, Spieltempo und Verhalten auf dem Platz sind genauso wichtig wie die Technik.

Wechseln Sie schrittweise von der Driving Range auf kurze beziehungsweise einfache Plätze und später auf längere Anlagen.

Lernen Sie früh die wichtigsten Regeln und die Etikette.

Trainieren Sie das kurze Spiel genauso wie den vollen Schwung.

Und vor allem:

Definieren Sie Ihr Golfziel nicht nach den Zielen anderer Spieler.

Sie müssen keinen Handicap-Index von 15 erreichen.

Sie müssen keine Turniere spielen.

Sie brauchen keinen Driver für 600 Euro.

Und Sie müssen auch nicht jedes Wochenende 18 Löcher spielen, um sich Golfer nennen zu dürfen.

Die beste Investition eines Anfängers ist kein Golfschläger

Golf ist schwierig.

Vielleicht ist genau das ein Teil seiner Faszination.

Aber Sie müssen weder besonders wohlhabend noch außergewöhnlich talentiert sein, um damit anzufangen.

Der vielleicht größte Fehler besteht darin, den Einstieg mit dem Teil des Golfsports zu beginnen, den die Industrie am einfachsten verkaufen kann: der Ausrüstung.

Ein Anfänger braucht zunächst keinen Driver, der einige zusätzliche Meter verspricht.

Er muss lernen, einen Golfball zu treffen. Er muss verstehen, wie man sich auf einem Golfplatz bewegt, wie man mit anderen spielt und vor allem, was er selbst in diesem Sport sucht.

Die Ausrüstung kommt früh genug.

Und wenn Sie irgendwann entscheiden, welche Schläger wirklich zu Ihnen passen, verfügen Sie über etwas wesentlich Wertvolleres als ein technisches Datenblatt:

Sie wissen bereits, welcher Golfer Sie gerade werden.

Von Laurent Agostini

Laurent Agostini ist seit 2010 als Golfjournalist tätig. Er ist Gründer von MyGolfMedia und Autor mehrerer Golfbücher, darunter *Penser avant de swinguer*. Er beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen im Golfsport, Technologien, Ausrüstung und Methoden zur Spielverbesserung. Seine journalistische Arbeit zeichnet sich durch einen unabhängigen Ansatz aus, der auf Fakten, Daten und den Erfahrungen von Golfexperten basiert.

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