Golfspieler beim Schlag mit einem Eisen – die Handposition am Golfgriff beeinflusst den Schwung und die Flugbahn des Balls.Ein neutraler, starker oder schwacher Golfgriff beeinflusst die Stellung der Schlagfläche im Treffmoment und damit den Ballflug.

Viele Golfer halten den Griff für eine Formsache, bevor der „eigentliche“ Schwung beginnt. Das Gegenteil ist der Fall. Wie Sie Ihre Hände am Schläger platzieren, beeinflusst die Stellung der Schlagfläche im Treffmoment, die Kompensationen, die Ihr Körper in die Bewegung einbaut, und am Ende den Flug des Balls. Doch der Griff allein entscheidet nicht über den Ballflug. Wer versteht, warum, kann ihn gezielt verändern, statt einen Fehler gegen einen anderen einzutauschen.

Was mich das Tennis über den Golfgriff gelehrt hat

Ich möchte mit einer alten Geschichte aus der Golfindustrie beginnen. Ende der 1980er-Jahre übertrug Cobra Golf aus Carlsbad in Kalifornien sein Marketing an Mark McClure. McClure war früher Skilehrer gewesen und dann Golfprofi geworden. Aus seiner ersten Welt brachte er eine Praxis mit, die bei Skiherstellern üblich war: das Material denjenigen in die Hand geben, die die Spieler beraten. Cobra stellte Clubprofis Schläger zur Verfügung, die sie an ihre Schüler verleihen konnten, um sie danach vergünstigt zu kaufen oder zurückzugeben.

In Verbindung mit Greg Norman, damals die prägende Figur des Weltgolfs und Teilhaber des Unternehmens, machte diese Strategie Cobra innerhalb weniger Jahre zu einer Marke, an der niemand mehr vorbeikam, und Anfang der 1990er-Jahre zur Referenz für Oversize-Eisen. Diese Geschichte hat mich nie losgelassen, weil sie eine einfache Lehre enthält: Im Geschäft wie im Sport findet man Antworten oft, indem man schaut, was in anderen Bereichen bereits funktioniert.

Genau so bin ich zum Thema Griff zurückgekehrt. Ich spiele inzwischen regelmäßig Tennis und habe erlebt, wie stark ein veränderter Schlägergriff einen Schlag verwandelt. Wer bei der Vorhand vom Kontinentalgriff zum Semi-Western-Griff wechselt, verändert den Winkel der Bespannung im Treffmoment und damit Richtung, Höhe und Spin des Balls. Alles beginnt in der Hand, doch danach muss der Spieler Treffpunkt und Bewegungsablauf anpassen.

Da liegt die Frage für das Golf nahe. Wenn wenige Grad Handrotation eine Vorhand umformen können, was passiert dann, wenn man die Hände am Golfschläger verändert, mit einer viel kleineren Schlagfläche und einem ruhenden Ball, der 150 Meter weit fliegen soll? Die Antwort ist subtiler, als sie zunächst scheint. Genau darum geht es in diesem Artikel.

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Der Griff ist Ihre einzige Verbindung zum Schläger

Der Schwung nutzt den ganzen Körper, doch alles, was Beine, Hüfte und Schultern erzeugen, erreicht den Schläger über eine einzige Stelle: die Hände. Ist diese Verbindung schlecht organisiert, verbringt der Rest der Bewegung seine Zeit damit, sie zu korrigieren.

Wenn Golfer über „den Griff“ sprechen, vermischen sie jedoch oft vier verschiedene Dinge, die man trennen sollte:

  • Die Handposition am Griff: Sie bestimmt, ob ein Griff neutral, stark oder schwach ist. Darum geht es in diesem Artikel vor allem.
  • Der Griffdruck: wie fest die Finger den Schläger halten, unabhängig von der Handposition.
  • Die Verbindung der Hände: überlappend (Vardon-Griff), verschränkt (Interlocking) oder Zehn-Finger-Griff (Baseball).
  • Die Griffstärke: der Durchmesser des Griffs selbst, also eine Frage des Materials.

Am häufigsten werden die ersten beiden Punkte verwechselt. Ein „schwacher“ Griff ist kein Griff ohne Kraft: Er beschreibt Hände, die zum Ziel hin gedreht sind. Ein „starker“ Griff ist kein fester Griff: Er beschreibt Hände, die in die andere Richtung gedreht sind. Man kann einen starken Griff sehr locker halten oder einen schwachen viel zu fest drücken.

Was den Ballflug wirklich bestimmt: Schlagfläche und Schlägerweg

Bevor wir die Griffe vergleichen, lohnt ein Blick darauf, warum ein Ball in die eine oder andere Richtung fliegt. Launch-Monitore wie Trackman haben es messbar gemacht, und die oft zitierten „neuen Ballfluggesetze“ lassen sich auf zwei Treffmoment-Parameter zurückführen.

  • Die Stellung der Schlagfläche im Treffmoment bestimmt den größten Teil der Startrichtung. Eine zum Ziel offene Schlagfläche (bei Rechtshändern nach rechts gerichtet) lässt den Ball rechts starten, eine geschlossene links.
  • Das Verhältnis von Schlagfläche zu Schlägerweg (Face-to-Path) bestimmt die Kurve. Ist die Schlagfläche relativ zum Schlägerweg geschlossen, kurvt der Ball nach links (Draw, bei größerer Differenz Hook). Ist sie relativ zum Schlägerweg offen, kurvt er nach rechts (Fade, dann Slice).

Ein Beispiel: Ein Schlägerweg von 4 Grad nach rechts (von innen nach außen) mit einer um 2 Grad zum Ziel offenen Schlagfläche lässt den Ball leicht rechts starten und zum Ziel zurückkurven: ein Draw. Derselbe Schlägerweg mit einer um 6 Grad offenen Schlagfläche lässt den Ball rechts starten und weiter nach rechts fliegen. Der Schlägerweg ist unverändert; nur die Schlagfläche hat sich geändert, und die Kurve hat sich umgekehrt.

Hier liegt das verbreitetste Missverständnis über den Griff. Man liest oft, ein starker Griff „ergibt einen Draw“ und ein schwacher „ergibt einen Fade“. Das ist eine Abkürzung. Die Handposition beeinflusst die Schlagfläche im Treffmoment, manchmal erheblich. Die Kurve hängt jedoch auch vom Schlägerweg ab. Der Griff wirkt zuerst auf die Kontrolle der Schlagfläche; er kann anschließend eine Neuorganisation des Schlägerwegs auslösen, wie wir sehen werden, ohne ihn allein zu bestimmen. Ein starker Griff in Kombination mit einem steilen Schlägerweg von außen nach innen kann ebenso gut einen nach links gezogenen Ball (Pull) erzeugen wie einen sauberen Draw.

Neutral, stark, schwach: drei Handpositionen

Sobald die Hände am Schläger liegen, bilden Daumen und Zeigefinger jeder Hand ein „V“. Wohin diese Vs zeigen und wie viele Knöchel der Führungshand Sie in der Ansprechposition sehen, verrät, welchen Griff Sie haben. Die folgenden Anhaltspunkte gelten für Rechtshänder; Linkshänder kehren sie einfach um.

Neutraler GriffStarker GriffSchwacher Griff
HandpositionLinke Hand weder oben auf noch seitlich am GriffHände nach rechts gedreht, rechte Hand mehr unter dem GriffHände nach links gedreht, rechte Hand mehr oben auf dem Griff
Richtung der VsZwischen Kinn und rechter SchulterZur rechten Schulter oder darüber hinausZum Kinn oder Richtung linke Schulter
Sichtbare Knöchel der linken HandEtwa zweiDrei oder mehrEiner oder keiner
Wirkung auf die SchlagflächeBegünstigt weder Öffnen noch SchließenSchlagfläche im Treffmoment leichter geschlossenSchlagfläche im Treffmoment leichter offen
Kann helfenSpielern, die ihre Schlagfläche bereits kontrollierenSpielern, deren Schlagfläche offen ankommt (Slice)Spielern, deren Schlagfläche zu schnell schließt (Hook)
Risiko, wenn er nicht passtWenig Korrektur bei ausgeprägtem FehlerPulls, Hooks, zu wenig LoftPushes, Slices, Distanzverlust

Der neutrale Griff ist in den meisten Lehrmethoden die Referenz. Er begünstigt weder das Öffnen noch das Schließen der Schlagfläche, sodass der restliche Schwung dafür verantwortlich ist, sie square an den Ball zu bringen. Das passt zu Spielern, die ihre Rotation und ihre Schlagfläche kontrollieren. Für einen Anfänger, dessen Schlagfläche jedes Mal offen ankommt, ist er nicht unbedingt der beste Ausgangspunkt: Er korrigiert nichts.

Der starke Griff bringt die linke Hand mehr auf den Griff und die rechte Hand darunter. Kehren die Hände im Treffmoment nahe an ihre Ansprechposition zurück, kommt die Schlagfläche tendenziell geschlossener an. Er kann daher einem Golfer helfen, der sliced, vorausgesetzt, die offene Schlagfläche ist tatsächlich Teil des Problems und der restliche Schwung kompensiert nicht sofort. Oft verringert er auch den dynamischen Loft, also den Loft, den der Schläger im Treffmoment tatsächlich zeigt: Der Ball startet flacher und schneller, was je nach Spiel ein Vorteil oder ein Problem sein kann.

Der schwache Griff bewirkt das Gegenteil: Die Schlagfläche kommt leichter offen an und schließt sich im Treffbereich langsamer. Er kann einem Golfer mit sehr aktiven Händen helfen, der den Ball hookt. Bei einem Spieler, dessen Schlagfläche bereits offen ankommt, verstärkt er dagegen den Slice und erhöht oft den Loft, auf Kosten der Länge.

Vergleich von starkem, neutralem und schwachem Golfgriff mit unterschiedlichen Handpositionen, V-Markierungen und der jeweiligen Auswirkung auf die Schlägerfläche.
Starker, neutraler und schwacher Golfgriff: Die Position der Hände beeinflusst die Ausrichtung der Schlägerfläche im Treffmoment. Die grünen V-Markierungen verdeutlichen die Unterschiede zwischen den Griffarten.

Keiner dieser drei Griffe ist absolut besser. Die Profitouren beweisen es: Dort finden sich deutlich starke Griffe, deutlich schwache und große Champions, die ihren Griff im Laufe ihrer Karriere verändert haben. Bei diesen Spielern ist der Griff jedoch Teil eines stimmigen Ganzen (Stellung des linken Handgelenks, Körperrotation, Schlägerweg), das über Tausende Stunden aufgebaut wurde. Den Griff eines Champions zu kopieren, ohne den Rest zu übernehmen, ergibt wenig Sinn.

Kompensationen: Warum ein neuer Griff Ihr Spiel auch verschlechtern kann

Wer seit Jahren ohne regelmäßigen Unterricht spielt, landet fast immer bei einem Aufbau, der „funktioniert“. Ohne es zu merken, hat der Körper Griff, Haltung, Ausrichtung und Schlägerweg so angepasst, dass der Ball ungefähr dorthin fliegt, wo er hin soll. Jeder Fehler wird durch einen anderen ausgeglichen. Deshalb bringt eine isolierte Griffänderung selten den erwarteten Effekt: Man entfernt ein Teil aus einem über Jahre gewachsenen Gleichgewicht.

Zwei sehr häufige Szenarien zeigen das.

Der Slicer, der seinen Griff stärker macht, ohne den Schlägerweg zu ändern. Seine Schlagfläche kommt offen an. Damit der Ball nicht zu weit rechts landet, hat sein Körper gelernt, von außen nach innen zu schwingen und über die Schultern zu kommen („over the top“). Der starke Griff schließt die Schlagfläche: gut. Bleibt der Schlägerweg aber von außen nach innen, startet der Ball nun links und bleibt dort oder kurvt noch weiter nach links. Der Slice ist verschwunden, ersetzt durch einen Pull. Der Golfer schließt daraus, „der starke Griff passt nicht zu mir“, obwohl die Korrektur nur unvollständig war.

Der Hooker, der seinen Griff schwächer macht, ohne den Schlägerweg zu ändern. Sein Schlägerweg verläuft stark von innen nach außen, und die Schlagfläche schließt schnell. Mit einem schwachen Griff bleibt sie offener: Der Ball kurvt nicht mehr so stark nach links, startet aber deutlich rechts und bleibt dort. Das ist ein Push, manchmal ein Push-Fade.

In beiden Fällen war die Griffänderung sinnvoll, verlangte aber zusätzlich eine Anpassung des Schlägerwegs. Deshalb beginnen Trainer oft genau hier. „Der Griff ist das Erste, worauf ich in einer Unterrichtsstunde schaue. Wenn Sie mit Ihrem Ballflug kämpfen, sollten Sie als Erstes dorthin schauen“, erklärte mir Massimo Vinaccia, Golflehrer in Lyon. Sein französischer Kollege Michel Delbos empfiehlt einen stärkeren Griff „einem Schüler, der dazu neigt, über die Schultern zu kommen, oder der den Ball zu stark sliced“, jedoch immer im Rahmen einer umfassenderen Arbeit am Schwung.

Bevor Sie Ihren Griff verändern: die richtige Diagnose

  1. Wo startet der Ball? Ein Ball, der regelmäßig rechts oder links vom Ziel startet, gibt zuerst Auskunft über die Schlagfläche.
  2. Wie kurvt er? Die Kurve gibt Auskunft über das Verhältnis von Schlagfläche und Schlägerweg.
  3. Ist der Fehler konstant? Ein beständiger Slice und eine Streuung in alle Richtungen verlangen nicht dieselbe Antwort. Ein neuer Griff korrigiert eine Tendenz, keine Unbeständigkeit.
  4. Was sagen die Messwerte? Schon eine kurze Session am Launch-Monitor trennt nach wenigen Schlägen ein Schlagflächenproblem von einem Schlägerwegproblem.
  5. Was erwarten Sie von der Änderung? Geradere Schläge, mehr Länge, bessere Kompression mit den Eisen: Das Ziel bestimmt die Anpassung und wie weit sie gehen sollte.

Mein eigener Wechsel vom schwachen zum starken Griff

Ich habe diesen Kompensationsmechanismus selbst erlebt. Jahrelang kämpfte ich mit Bällen, die stark von rechts nach links kurvten. Mein Schwung hatte schon immer einen natürlichen Schlägerweg von innen nach außen, verstärkt durch die Neigung, meine linke Schulter Richtung Ziel abtauchen zu lassen. Ohne es zu bemerken, hatte ich mir einen schwachen Griff angewöhnt, der das Schließen der Schlagfläche bremste und mich einigermaßen gerade spielen ließ.

Bei einer Session im MyGolfMedia-Studio bat mich Massimo Vinaccia dennoch, einen starken Griff auszuprobieren. Sein Ziel war nicht die Richtung: Er sah, dass ich meine Eisen oft tief in der Schlagfläche traf, mit einem zu flachen Anstellwinkel. Der Launch-Monitor maß den Unterschied über eine vergleichbare Serie von Schlägen mit einem Eisen 8 (38° Loft):

Trackman-Daten, Eisen 8 (Rechtshänder; + = rechts, − = links)Schwacher GriffStarker Griff
Schlägerkopfgeschwindigkeit70 mph (113 km/h)75 mph (121 km/h), später bis 78 mph (126 km/h)
Ballgeschwindigkeit93 mph (150 km/h)99 mph (159 km/h)
Dynamischer Loft26°24°
Schlägerweg, relativ zum Ziel+1° (von innen nach außen)+4° (von innen nach außen)
Schlagfläche, relativ zum Ziel−3° (geschlossen)−3,7° (geschlossen)
Face-to-Path−4°−7,7°
Seitliche Abweichung nach links8 m13 m

Der Längengewinn kam sofort: rund 10 Meter mehr Carry, sodass mein Eisen 8 die Distanzen meines Eisens 7 erreichte. Der starke Griff gab den Händen im Treffbereich Freiheit, wo der schwache Griff wie eine Bremse gewirkt hatte. Diese Zahlen muss man jedoch vorsichtig lesen. Die Ballgeschwindigkeit stieg vor allem, weil die Schlägerkopfgeschwindigkeit stieg: Das Verhältnis der beiden, der Smash Factor, blieb nahezu gleich (etwa 1,33 mit dem schwachen, 1,32 mit dem starken Griff). Nichts deutet also auf einen besseren Treffer hin. Der geringere dynamische Loft könnte die Treffbedingungen verändert haben, doch diese Messungen erlauben nicht, seinen Anteil am Ergebnis zu isolieren. Und der Anstellwinkel, der ursprüngliche Grund für die Änderung, bewegte sich in dieser ersten Session kaum.

Vor allem verschlechterte sich die Richtung genau so, wie es die Theorie vorhersagt. Die Schlagfläche schloss sich etwas mehr, der Schlägerweg verlief stärker von innen nach außen, und die Differenz zwischen beiden stieg von etwa 4 auf fast 8 Grad. Das Ergebnis: mehr Bälle links, genau das, wogegen ich jahrelang gekämpft hatte. Mein alter schwacher Griff war kein isolierter Fehler, sondern eine Kompensation.

Der neue Griff ergab nur mit weiteren Anpassungen Sinn. Massimo bat mich, die Hände im Treffbereich weiter vor dem Schlägerkopf zu halten, um die Schlagfläche nicht zu stark zu schließen, und die Bewegung meiner linken Schulter zum Ziel zu unterbinden, damit die Hüften unabhängig vom Oberkörper rotieren können. Eine Griffänderung ist kein Ein-Aus-Schalter: Sie wirft eine Reihe von Fragen zum restlichen Schwung auf und braucht Zeit und Training, bis sie verinnerlicht ist.

Griffdruck: genug für Kontrolle, nicht so viel, dass es blockiert

Ist die Handposition festgelegt, bleibt der Druck. Der häufigste Fehler, gerade bei Anfängern, besteht darin, fest zuzudrücken, weil man glaubt, so mehr Kontrolle zu haben. Meist bewirkt es das Gegenteil: Ein zu fester Griff spannt Unterarme und Schultern an, begrenzt das Abwinkeln der Handgelenke und verhindert ein freies Release des Schlägers im Treffbereich. Der Schwung wird steif, die Geschwindigkeit sinkt, und die Schlagfläche lässt sich schwerer kontrollieren.

Zu wenig Druck führt zum umgekehrten Problem: Der Schläger bewegt sich am oberen Umkehrpunkt oder im Treffmoment in den Händen, und die Schlagfläche ist nicht mehr stabil. Der richtige Druck erlaubt es, den Schläger ohne unnötige Spannung in den Armen zu halten. Viele Trainer verorten ihn etwa in der Mitte einer Skala von 1 bis 10, ein nützliches Bild, solange man es als das nimmt, was es ist: ein Gefühl, keine Messung.

Gut zu wissen ist auch, dass der Druck während des Schwungs nicht konstant bleibt. Er nimmt im Abschwung mit der Beschleunigung des Schlägers natürlich zu. Ihn von Anfang bis Ende „gleich“ halten zu wollen, ist eine Absicht, keine physikalische Realität. Entscheidend ist, in der Ansprechposition mit einem lockeren Griff zu beginnen und den Schläger zu Beginn des Abschwungs nicht zu würgen.

Auch die Griffstärke spielt eine Rolle. Der französische Clubfitter und Clubmaker Alexandre d’Incau formulierte es mir gegenüber so: „Die Griffstärke hat einen direkten Einfluss darauf, wie fest man zudrückt. Hat man durch Größe, Form und Oberfläche des Griffs einen guten Halt, ist der Druck darauf geringer.“ Je nach Handgröße und Griffoberfläche kann ein unpassender Durchmesser dazu verleiten, fester zuzudrücken, oder die Arbeit der Hände behindern, ohne dass es eine allgemeingültige Regel gibt. Im Zweifel kann ein Fitter das in wenigen Minuten prüfen.

So prüfen Sie Ihren Griff

Für eine erste Bestandsaufnahme brauchen Sie keinen Launch-Monitor. Ein paar einfache Schritte zeigen, wo Sie stehen.

  1. Schauen Sie in der Ansprechposition auf Ihre linke Hand. Zählen Sie die sichtbaren Knöchel: etwa zwei bei einem neutralen Griff, drei oder mehr bei einem starken, einer oder keiner bei einem schwachen Griff.
  2. Prüfen Sie, wohin die Vs zeigen. Zwischen Kinn und rechter Schulter: neutral. Weiter rechts: stark. Zum Kinn oder darüber hinaus: schwach.
  3. Vergleichen Sie mit Ihrem typischen Ballflug. Ein schwacher Griff mit chronischem Slice oder ein starker Griff mit Hook ist eine ernsthafte Spur. Ein schwacher Griff bei einem Spieler, der hookt, kann dagegen eine Kompensation sein: Ändern Sie ihn nicht, bevor Sie verstanden haben, was er ausgleicht.
  4. Testen Sie den Druck. Nehmen Sie Ihre Ansprechposition ein und bewegen Sie den Schlägerkopf leicht hin und her (Waggle). Fühlen sich Ihre Unterarme hart an, drücken Sie zu fest.
  5. Ändern Sie in kleinen Schritten. Wenige Grad Handrotation reichen, um die Schlagfläche zu verändern. Schlagen Sie eine Serie Bälle, beobachten Sie Startrichtung und Kurve, und passen Sie dann an.
  6. Holen Sie sich einen zweiten Blick. Ein Golflehrer, idealerweise mit Launch-Monitor, erkennt nach wenigen Schlägen, ob die Änderung auch Arbeit am Schlägerweg erfordert.

Den Griff ändern, ja, aber mit klarem Grund

Der Vergleich mit dem Tennis trägt bis zum Schluss. Im Tennis verändert ein anderer Griff den Winkel der Bespannung und zwingt den Spieler, seinen Schlag neu zu organisieren. Im Golf ist es genauso, mit einer zusätzlichen Herausforderung: Die Schlagfläche ist klein, der Ball fliegt weit, und wenige Grad Abweichung werden zu Dutzenden Metern.

Der Griff allein erzeugt weder einen Draw noch einen Fade. Er beeinflusst die Schlagfläche, die immer im Verhältnis zum Schlägerweg gelesen werden muss. Deshalb kann eine Griffänderung das Spiel eines Golfers verwandeln, und deshalb kann eine Änderung ohne Diagnose es ebenso gut verschlechtern. Was mich meine eigene Erfahrung vor allem gelehrt hat: Man kann seinen Griff im Laufe eines Golferlebens ändern, vorausgesetzt, man weiß, warum, und was man damit erreichen will.

Von Laurent Agostini

Laurent Agostini ist seit 2010 als Golfjournalist tätig. Er ist Gründer von MyGolfMedia und Autor mehrerer Golfbücher, darunter „Denken, bevor Sie schwingen“. Er beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen im Golfsport, Technologien, Ausrüstung und Methoden zur Spielverbesserung. Seine journalistische Arbeit zeichnet sich durch einen unabhängigen Ansatz aus, der auf Fakten, Daten und den Erfahrungen von Golfexperten basiert.

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