Hände und Handgelenke eines Golfers am Schlägergriff während des GolfschwungsDie Handgelenke müssen sich im Golfschwung natürlich bewegen können. Entscheidend ist, den Schläger sicher zu kontrollieren, ohne unnötige Spannung aufzubauen oder die Schlagfläche bewusst mit den Händen zu manipulieren.

Sollten Sie die Handgelenke anwinkeln? Locker lassen? Drehen, um die Schlagfläche square an den Ball zu bringen? Durch den Treffmoment aktiv releasen? Gerade für Golfer, die den Sport erlernen oder ihre ersten Fortschritte machen, können sich die Ratschläge zur Arbeit der Handgelenke schnell widersprechen. Dabei ist der Versuch, jede Bewegung der Handgelenke bewusst zu kontrollieren, selten der beste Weg, einen zuverlässigen Golfschwung zu entwickeln. Moderne Erkenntnisse über den Schwung erlauben es heute, auf eine Idee zurückzukommen, die Manuel de la Torre bereits vor Jahrzehnten vertrat: Die Handgelenke spielen eine wesentliche Rolle für Geschwindigkeit und Schlagflächenkontrolle – doch das bedeutet nicht, dass man sie während des gesamten Schwungs aktiv manipulieren sollte. Gerade für Golfer mit höheren Handicaps kann diese Unterscheidung vieles erheblich vereinfachen.

Wer sich regelmäßig Golfunterricht auf YouTube, Instagram oder anderen Plattformen ansieht, kennt das Problem. „Winkeln Sie die Handgelenke stärker an.“ „Halten Sie das linke Handgelenk flach.“ „Brechen Sie die Handgelenke nicht.“ „Entspannen Sie die Hände.“ „Halten Sie die Winkel.“ „Lassen Sie die rechte Hand durch den Ball gehen.“ „Benutzen Sie die Hände überhaupt nicht.“ Jede dieser Anweisungen kann in einem bestimmten Zusammenhang, für einen bestimmten Golfer und zur Korrektur eines bestimmten Fehlers sinnvoll sein. Werden sie jedoch alle einem Spieler präsentiert, der noch damit beschäftigt ist, den Ball regelmäßig sauber zu treffen, können sie mehr Probleme erzeugen als lösen.

Deshalb lohnt es sich, die Frage noch einmal ganz von vorne zu stellen: Was sollten Ihre Handgelenke während des Golfschwungs tatsächlich tun?

Die kurze Antwort lautet vielleicht: Sie müssen sich bewegen können. Aber Sie müssen ihnen wahrscheinlich nicht in jeder Phase des Schwungs bewusst vorschreiben, wie sie sich bewegen sollen.

Diese Idee ist keineswegs neu. Als wir uns vor einigen Jahren erstmals ausführlich mit der Arbeit der Handgelenke beschäftigten, stützten wir uns unter anderem auf die Lehre von Manuel de la Torre. Der renommierte amerikanische Golflehrer betrachtete einen großen Teil der Handgelenksbewegung als Folge des Schwingens des Schlägers und nicht als eine Aktion, die der Golfer bewusst erzeugen müsse. Die Möglichkeiten zur Analyse des Golfschwungs haben sich seitdem enorm weiterentwickelt. De la Torres Grundgedanke ist dennoch erstaunlich aktuell – sofern man ihn mit den heutigen Erkenntnissen etwas präzisiert.

Ihre Handgelenke sollen nicht unbeweglich bleiben

Zunächst müssen wir ein häufiges Missverständnis ausräumen. Einem Golfer zu sagen, er solle nicht zu „handlastig“ schwingen, bedeutet nicht, dass seine Handgelenke während des gesamten Schwungs steif bleiben sollen.

Das menschliche Handgelenk verfügt über verschiedene Bewegungsmöglichkeiten. Es kann sich beugen und strecken – Flexion und Extension –, außerdem sind radiale und ulnare Abweichungen möglich. Vereinfacht ausgedrückt sind das Bewegungen zur Daumenseite beziehungsweise zur Seite des kleinen Fingers. Diese Bewegungen funktionieren zudem nicht vollkommen unabhängig voneinander. Biomechanische Untersuchungen zeigen, dass Flexion und Extension mit radialer und ulnarer Abweichung interagieren und die Position des Handgelenks in einer Ebene den verfügbaren Bewegungsumfang in einer anderen beeinflussen kann.

[INFOGRAFIK HIER EINFÜGEN: DIE VIER NATÜRLICHEN BEWEGUNGEN DES HANDGELENKS]

Im Golfschwung tragen diese Bewegungen dazu bei, den Schläger zu organisieren, die Schlagfläche auszurichten sowie Geschwindigkeit zu erzeugen und zu übertragen. Die Handgelenke vollständig „festzustellen“ wäre daher ungefähr so sinnvoll wie der Versuch, einen Golfschwung auszuführen, ohne die Ellenbogen bewegen zu dürfen.

Das eigentliche Problem für einen Golfer in der ersten Lern- und Entwicklungsphase liegt woanders: Natürliche Handgelenksbewegung wird mit einer bewussten Manipulation der Schlagfläche verwechselt.

Ein typisches Beispiel ist der Spieler, der den Rückschwung damit beginnt, die Handgelenke und Unterarme bewusst zu drehen, als müssten die Hände sofort die Kontrolle über den Schlägerkopf übernehmen. Natürlich verändern die Handgelenke ihre Position während des Rückschwungs. Daraus folgt jedoch nicht, dass es eine bestimmte magische Drehbewegung der Hände gibt, die den Schläger automatisch in die richtige Position bringt.

Für Anfänger ist diese Unterscheidung entscheidend: Ein Gelenk frei bewegen zu lassen ist etwas völlig anderes, als zu versuchen, dieses Gelenk während einer nur wenige Sekunden dauernden Bewegung permanent bewusst zu steuern.

Manuel de la Torre stellte diese Frage schon vor Jahrzehnten

Manuel de la Torre ist nicht einfach ein historischer Name, mit dem man einer alten Theorie nachträglich Autorität verleihen könnte. 1986 wurde er als erster Golflehrer überhaupt mit dem neu geschaffenen PGA Teacher of the Year Award der PGA of America ausgezeichnet. Seine Karriere als Lehrer erstreckte sich über mehrere Jahrzehnte, einen großen Teil davon am Milwaukee Country Club. Im Zentrum seiner Philosophie stand der Versuch, den Golfschwung verständlicher und nicht komplizierter zu machen.

Gerade heute ist dieser Ansatz bemerkenswert. Denn er steht einer Entwicklung entgegen, die sich im Zeitalter von YouTube, Instagram und sozialen Netzwerken noch verstärkt hat: Der Schwung wird in immer kleinere Einzelteile zerlegt, bis der Golfer schließlich versucht, nahezu jedes Körperteil bewusst zu kontrollieren.

De la Torres Ansatz konzentrierte sich dagegen stark auf die Bewegung des Schlägers. Die Handgelenke reagierten innerhalb dieses Konzepts auf die Schwungbewegung, anstatt eine eigenständige Aktion auszuführen, die zu einem exakt definierten Zeitpunkt bewusst ausgelöst werden müsste.

Die moderne Biomechanik kann heute sehr viel genauer beschreiben, was tatsächlich in den einzelnen Gelenken geschieht. Als Lernkonzept für einen Golfer, der zunächst einen wiederholbaren Ballkontakt entwickeln muss, besitzt de la Torres Philosophie dennoch einen erheblichen Wert.

Warum?

Weil ein Anfänger nicht sechs verschiedene Positionen seiner Handgelenke kennen muss, bevor er lernt, die Schlagfläche zuverlässig an den Ball zu bringen.

Zunächst braucht er eine einfache und funktionierende Beziehung zu seinem Golfschläger.

Bevor Sie über Ihre Handgelenke nachdenken, überprüfen Sie Ihren Griff

Das ist wahrscheinlich einer der wichtigsten praktischen Punkte des gesamten Artikels.

Traditionell wurde im Golfunterricht viel darüber gesprochen, welche Finger wie viel Druck ausüben sollen und wie locker der Schläger gehalten werden sollte. Mittlerweile können Drucksensoren tatsächlich messen, wie Golfer während des Schwungs Kraft auf den Griff ausüben.

Einige Ergebnisse sind überraschend.

Der Golflehrer und Forscher Liam Mucklow hat Messungen des Griffdrucks vorgestellt, bei denen die besseren Spieler der untersuchten Gruppe den Schläger im Ansprechen mit ungefähr 45 Prozent ihrer maximal möglichen Griffkraft hielten. Bei den Spielern mit höheren Handicaps waren es dagegen nur ungefähr 25 Prozent. Noch interessanter war die Entwicklung während des Schwungs: Die Spieler mit höherem Handicap begannen relativ locker und erhöhten anschließend ihren Griffdruck. Die besseren Spieler zeigten ein anderes Muster. Sie starteten mit höherem Druck und reduzierten ihn im Verlauf des Schwungs, insbesondere mit der hinteren Hand während des Abschwungs.

Diese Zahlen müssen mit Vorsicht interpretiert werden. Sie bedeuten keinesfalls, dass jeder Golfer seinen Schläger nun mit „exakt 45 Prozent“ halten sollte. Niemand besitzt einen eingebauten Druckmesser in seinen Fingern, und was sich für einen Spieler wie 5 von 10 anfühlt, kann für einen anderen bereits 7 von 10 sein.

Die Messungen stellen jedoch einen der ältesten Ratschläge für Golfanfänger infrage:

„Halten Sie den Schläger so locker wie möglich.“

Ganz so einfach ist es nicht.

Sie benötigen genügend Druck, um den Schläger zu kontrollieren. Vermeiden sollten Sie dagegen unnötige Spannung, die sich von den Händen über die Handgelenke bis in die Unterarme ausbreitet.

Der Unterschied klingt klein. Im Schwung kann er erheblich sein.

Griffdruck beim Golf: Vergleich zwischen zu lockerem, ausgewogenem und zu festem Griff
Der richtige Griffdruck ist ein Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Bewegungsfreiheit. Zu wenig Druck kann die Schlägerkontrolle erschweren, während zu viel Spannung die Beweglichkeit von Händen, Handgelenken und Unterarmen einschränken kann.

Locker bedeutet nicht lose

Stellen Sie sich vor, Sie sollen einen Tennisball möglichst weit werfen. Wahrscheinlich werden Sie ihn nicht mit maximaler Kraft zwischen den Fingern zerquetschen. Sie werden ihn aber auch nicht so locker halten, dass er Ihnen aus der Hand fällt, bevor die Wurfbewegung überhaupt begonnen hat.

Ihre Hand findet normalerweise ganz von selbst genügend Druck, um den Gegenstand zu kontrollieren. Gleichzeitig bleibt das Handgelenk beweglich genug, um an der Wurfbewegung mitzuwirken.

Der Biomechaniker Sasho MacKenzie hat ein ähnliches Prinzip verwendet, um Golfern das Thema Griffdruck verständlicher zu machen. Werfen Sie einen Gegenstand auf natürliche Weise und achten Sie darauf, wie Kontrolle und Bewegungsfreiheit im Handgelenk zusammenwirken. Wiederholen Sie anschließend dieselbe Bewegung, während Sie Hand und Unterarm bewusst stark anspannen. Die Bewegung dürfte sich unmittelbar weniger natürlich und athletisch anfühlen.

Kontrolle ohne unnötige Spannung.

[INFOGRAFIK HIER EINFÜGEN: GRIFFDRUCK – DIE RICHTIGE BALANCE FINDEN]

Genau so kann man auch über den Golfgriff nachdenken.

Sie brauchen keine schlaffen Hände. Sie brauchen aber ebenso wenig einen Schraubstockgriff.

Sie benötigen genügend Druck, um den Schläger sicher zu kontrollieren, und gleichzeitig genügend Bewegungsfreiheit, damit Handgelenke und Arme natürlich funktionieren können.

Ein zu stark in der Handfläche liegender Griff kann die Beweglichkeit einschränken

Der Griffdruck ist nur ein Teil der Gleichung. Ebenso wichtig ist, wo der Schläger in den Händen liegt.

David Leadbetter weist seit Langem auf eine bei Amateuren häufige Tendenz hin: Der Griff liegt in der vorderen Hand zu stark in der Handfläche statt mehr durch die Finger. Dadurch kann die Beweglichkeit des Handgelenks eingeschränkt und die Kontrolle der Schlagfläche erschwert werden.

Für einen Anfänger ist diese Beobachtung besonders nützlich, weil sie überprüft werden kann, bevor überhaupt etwas am eigentlichen Schwung verändert wird.

Nehmen Sie ein Eisen 8 und greifen Sie den Schläger wie gewohnt. Schauen Sie anschließend, wie der Griff tatsächlich durch Ihre vordere Hand verläuft – bei einem Rechtshänder also durch die linke Hand. Verläuft er nahezu vollständig durch die Mitte der Handfläche und haben Sie das Gefühl, kräftig zudrücken zu müssen, damit der Schläger sicher sitzt, kann es sinnvoll sein, den Griff von einem qualifizierten Golflehrer überprüfen zu lassen.

Leadbetter hat außerdem darauf hingewiesen, dass eine starke Abnutzung des Handschuhs im Bereich des Handballens ein möglicher Hinweis darauf sein kann, dass der Griff zu sehr in der Handfläche liegt.

Aber auch daraus sollten Sie keine neue universelle Regel machen.

Denn genau hier wird moderner Golfunterricht besonders interessant.

Es gibt nicht den einen perfekten Griff und die eine perfekte Handgelenksbewegung

Über Jahrzehnte suchte Golfunterricht häufig nach Idealmodellen. Das ist der richtige Griff. Das ist die richtige Position am höchsten Punkt des Rückschwungs. So muss das vordere Handgelenk aussehen. Und so funktioniert der richtige Release.

Eine der interessanteren Entwicklungen im modernen Coaching besteht dagegen darin, stärker nach zueinander passenden Kombinationen zu suchen.

Mark Blackburn, einer der bekanntesten amerikanischen Coaches im professionellen Golf, beschäftigt sich intensiv mit solchen Zusammenhängen. Ein schwächerer und ein stärkerer Griff können beide funktionieren, müssen aber nicht mit exakt demselben Release oder demselben Verhalten der Schlagfläche kombiniert werden. Statt jedem Spieler dieselbe Lösung aufzuzwingen, geht es darum zu verstehen, wie Griff, Handgelenke, Schlagfläche und der restliche Schwung zusammenarbeiten.

Für Anfänger bedeutet das nicht, dass sie nun verschiedene Release-Modelle von Tourspielern analysieren sollten.

Die Botschaft ist viel einfacher:

Kopieren Sie niemals isoliert die Handgelenksposition eines Tourspielers.

Ein Standbild des vorderen Handgelenks am höchsten Punkt des Rückschwungs sagt wenig aus, wenn Sie nicht gleichzeitig den Griff des Spielers, die Position der Schlagfläche, die Schwungrichtung, die Körperbewegung und alles berücksichtigen, was vor diesem einen Bild passiert ist.

Deshalb brauchen auch Aussagen wie „Halten Sie den Handrücken der vorderen Hand exakt in einer Linie mit dem Unterarm“ einen Kontext. Für bestimmte Spieler kann dies ein hilfreiches Gefühl oder ein sinnvoller Kontrollpunkt sein.

Eine universelle Gesetzmäßigkeit des Golfschwungs ist es nicht.

Warum wollen Anfänger so viel mit den Händen machen?

Golf erzeugt ein bemerkenswertes psychologisches Problem.

Der Ball liegt vor uns. Der Schläger befindet sich in unseren Händen. Und unsere Hände sind der einzige Teil unseres Körpers, der tatsächlich direkten Kontakt mit dem Schläger hat.

Es ist deshalb vollkommen verständlich, dass unser Gehirn daraus schließt: Wenn wir den Ball irgendwohin schicken wollen, müssen die Hände den Schlägerkopf steuern. Je weiter wir schlagen möchten – oder je verzweifelter wir versuchen, einen nach rechts kurvenden Ball geradezubekommen –, desto größer wird diese Versuchung.

Bei einem Anfänger mit Slice kann dieses Phänomen besonders deutlich werden. Nach drei Bällen, die nach rechts kurven, erkennt der Golfer intuitiv, dass sich die Schlagfläche irgendwie schließen muss. Beim vierten Versuch versucht er deshalb, sie mit den Händen square zu bekommen.

Manchmal funktioniert es.

Der Ball fliegt gerade, und für einen kurzen Moment entsteht das wunderbare Gefühl, Golf endlich verstanden zu haben.

Beim nächsten Schwung kommen die Hände eine Zehntelsekunde früher, und der Ball verschwindet nach links.

Also verzögert der Spieler die Hände.

Dann beschleunigt er sie.

Dann verändert er seinen Griff.

Dann versucht er, die Schlagfläche „offen zu halten“.

Zwanzig Bälle später weiß er möglicherweise überhaupt nicht mehr, was er eigentlich tun wollte.

Das grundsätzliche Problem bei einem Slice besteht darin, dass die Schlagfläche relativ zum Schlägerweg geöffnet ist. Daraus folgt jedoch nicht, dass ein Anfänger versuchen sollte, in den letzten Zentimetern vor dem Treffmoment eine aggressive Schließbewegung der Handgelenke zu timen.

Die sinnvollere Frage lautet:

Warum kommt die Schlagfläche geöffnet an den Ball?

Der Griff kann eine Ursache sein. Die Organisation des Rückschwungs kann eine Rolle spielen. Körperbewegung und Schlägerweg können beteiligt sein. Häufig handelt es sich um eine Kombination verschiedener Faktoren.

Das ist genau einer jener Fälle, in denen zwanzig Minuten mit einem guten Golflehrer produktiver sein können als zwanzig widersprüchliche Videos.

Ihr Ball verrät Ihnen mehr als ein Foto Ihres Handgelenks

Für Golfer in der ersten Entwicklungsphase würden wir deshalb eine sehr einfache Reihenfolge empfehlen.

Bevor Sie Ihr vorderes Handgelenk am höchsten Punkt des Rückschwungs filmen, beobachten Sie zunächst Ihre Golfschläge.

Schlagen Sie zehn Bälle mit einem Eisen 8. Wie viele davon treffen Sie einigermaßen sauber? Wo starten die Bälle? In welche Richtung kurven sie? Produzieren Ihre schlechten Schläge meistens dasselbe Muster, oder wechseln sich Bälle nach rechts und links mit dünnen und fett getroffenen Schlägen ab?

Allein aus dem Ballflug lässt sich natürlich nicht jeder Schwungfehler diagnostizieren. Diese Beobachtung verhindert jedoch einen sehr verbreiteten Irrweg: eine optisch vermeintlich falsche Position korrigieren zu wollen, bevor überhaupt geklärt wurde, welches Problem gelöst werden soll.

Wenn acht von zehn Bällen ordentlich getroffen werden und ein spielbares Flugmuster produzieren, ist die Tatsache, dass Ihr Handgelenk am höchsten Punkt nicht exakt wie das von Rory McIlroy aussieht, möglicherweise nicht das dringendste Problem Ihres Golfspiels.

Kommt die Schlagfläche dagegen regelmäßig geöffnet an den Ball und starten oder kurven fast alle Schläge nach rechts, lohnt es sich eher, zunächst den Griff und die grundsätzliche Organisation des Schwungs zu überprüfen.

Golf ist kein Wettbewerb um das schönste Standbild.

Am Ende entscheidet immer noch der Ball.

Drei einfache Übungen, bevor Sie nach einer komplizierten Lösung suchen

Die erste Übung orientiert sich an der Philosophie von Manuel de la Torre und eignet sich gerade deshalb hervorragend für Anfänger.

Stellen Sie sich ohne Schläger aufrecht hin und bringen Sie die Hände so zusammen, als würden Sie einen Golfschläger halten. Führen Sie langsam einen Rückschwung und anschließend die Bewegung zurück aus. Lassen Sie Schultern und Arme die Hände bewegen. Das Ziel besteht nicht darin, die Handgelenke zu blockieren. Sie sollen vielmehr erleben, dass Sie die Hände zu Beginn des Schwungs nicht bewusst rollen müssen, um eine Schwungbewegung zu erzeugen.

Nehmen Sie anschließend ein Eisen 8 und legen Sie einen Ball auf ein sehr niedriges Tee. Machen Sie nur einen halben Schwung und vergessen Sie zunächst die Schlagweite. Ihr einziges Ziel besteht darin, fünf aufeinanderfolgende Bälle mit einigermaßen vergleichbarem Kontakt und ähnlichem Ballflug zu schlagen.

Nicht fünf perfekte Schläge. Nicht fünf Bälle über 130 Meter.

Fünf kontrollierte Ballkontakte.

Wenn das funktioniert, vergrößern Sie allmählich die Schwunglänge.

Funktioniert es nicht, werden zusätzliche Geschwindigkeit und noch mehr bewusst eingesetzte Handgelenksaktion das Problem wahrscheinlich nicht vereinfachen.

Probieren Sie schließlich den Wurftest. Werfen Sie in einer sicheren Umgebung einen Ball gegen ein Netz oder in einen freien Bereich. Achten Sie auf das Gefühl in Hand und Handgelenk. Wiederholen Sie die Bewegung anschließend, während Sie Hand und Unterarm bewusst stark anspannen.

Der Unterschied sollte unmittelbar spürbar sein.

Sie haben damit etwas erfahren, das sich mit zwanzig Zeilen technischer Erklärung nur schwer vermitteln lässt:

Sie können einen Gegenstand sicher kontrollieren, ohne die gesamte Bewegungskette starr anzuspannen.

Versuchen Sie nicht, den Ball bewusst mit den Handgelenken zu „schnippen“

Beim Thema Handgelenke landet man irgendwann fast zwangsläufig beim Release.

Ben Hogan beschrieb bekanntlich sehr kraftvolle Empfindungen seiner Hände im Abschwung, und die moderne Biomechanik kann detailliert erklären, wie Energie und Winkelgeschwindigkeiten innerhalb des Schwungs übertragen werden.

Für erfahrene Spieler kann es faszinierend sein, darüber zu diskutieren, wann und wie genau diese Beschleunigungen stattfinden.

Bei einem Anfänger wären wir erheblich vorsichtiger.

Versuchen Sie nicht, bewusst einen plötzlichen „Handgelenk-Schnapper“ zu erzeugen, sobald die Hände Hüfthöhe erreichen. Versuchen Sie ebenso wenig, die Winkel während des gesamten Abschwungs künstlich festzuhalten, um sie unmittelbar vor dem Treffmoment explosionsartig freizugeben.

Der Golfschwung läuft viel zu schnell ab, als dass ein Spieler in der Lernphase eine ganze Abfolge solcher Mikroaktionen zuverlässig bewusst orchestrieren könnte.

Noch wichtiger ist, dass diese Gedanken vom eigentlichen Ziel ablenken:

einen wiederholbaren Ballkontakt zu erzeugen und den Ball in Richtung eines Ziels zu schlagen.

Geschwindigkeit kann sich entwickeln, wenn die Bewegung besser organisiert wird.

Was wir beim erneuten Blick auf dieses Thema gelernt haben

Es ist durchaus aufschlussreich, einen technischen Golfartikel mehrere Jahre nach seiner ersten Veröffentlichung noch einmal zu überprüfen.

In der ursprünglichen Version hatten wir selbst verschiedene Ratschläge dazu ausprobiert, mit welchen Fingern Druck auf den Griff ausgeübt werden sollte. Eine Anweisung, die eigentlich zu einem freieren Handgelenk führen sollte, erzeugte bei uns genau das gegenteilige Gefühl: Das vordere Handgelenk fühlte sich angespannter an.

Rückblickend war dies möglicherweise das interessanteste Ergebnis des gesamten Versuchs.

Ein Schwunggefühl ist kein biomechanisches Gesetz.

Wenn ein Golflehrer einen Spieler auffordert, mehr Rotation zu spüren, die Hände weniger einzusetzen, mit bestimmten Fingern mehr Druck auszuüben oder ein Handgelenk stabiler zu halten, soll diese Anweisung normalerweise die Bewegung dieses einen Spielers verändern. Dieselbe Anweisung kann bei einem anderen Golfer ein völlig anderes, manchmal sogar gegenteiliges Ergebnis hervorrufen.

Im Zeitalter der sozialen Netzwerke ist diese Unterscheidung enorm wichtig.

Wenn Sie ein Video mit dem Titel „Das Geheimnis der Handgelenke, das Ihren Slice beseitigt“ sehen, muss die Information darin nicht zwangsläufig falsch sein.

Sie wissen lediglich nicht, ob sie Ihr Problem behandelt.

Und das ist eine vollkommen andere Frage.

Was sollten Ihre Handgelenke also wirklich tun?

Wenn Sie Golf gerade lernen oder noch an den Grundlagen eines wiederholbaren Schwungs arbeiten, würden wir Ihnen am Ende empfehlen, sich weniger Dinge zu merken – nicht mehr.

Ihre Handgelenke müssen sich bewegen können. Versuchen Sie nicht, sie während des gesamten Schwungs steif zu halten.

Der Schläger muss fest genug gehalten werden, damit Sie ihn kontrollieren können. Das bedeutet jedoch nicht, dass Hände und Unterarme angespannt sein müssen. Die modernen Messungen des Griffdrucks sind gerade deshalb interessant: In den von Liam Mucklow vorgestellten Beobachtungen begannen die besseren Spieler sogar mit mehr Griffdruck als die getesteten Spieler mit höheren Handicaps. Der entscheidende Unterschied bestand also nicht einfach in „lockeren Händen“, sondern darin, wie der Druck organisiert war und sich während des Schwungs veränderte.

Überprüfen Sie außerdem Ihren Griff, bevor Sie versuchen, Ihre Handgelenksbewegung neu aufzubauen. Liegt der Schläger zu stark in der Handfläche, kann dies die Beweglichkeit einschränken und die Kontrolle der Schlagfläche erschweren.

Versuchen Sie nicht, die Hände im letzten Moment bewusst zu drehen oder zu flippen, um die Schlagfläche square zu bekommen. Wenn Ihre Bälle wiederholt in dieselbe Richtung starten oder kurven, suchen Sie zunächst nach der Ursache.

Und vor allem: Hören Sie auf, nach der einen universellen Position des Handgelenks zu suchen.

Stärkere, neutrale und schwächere Griffpositionen können funktionieren, wenn sie zum restlichen Bewegungsmuster passen. Das ist eine der nützlichsten Erkenntnisse des modernen Golfunterrichts: Effektive Golfschwünge entstehen aus dem Zusammenspiel von Griff, Handgelenken, Schlagfläche und Körperbewegung – nicht aus einem einzigen perfekten Standbild, das jeder Golfer kopieren sollte.

Manuel de la Torre hat damit möglicherweise schon vor Jahrzehnten mit den Begriffen und Erkenntnissen seiner Zeit eine Idee formuliert, die für den heutigen Golfer besonders wertvoll bleibt:

Ihre Handgelenke sind zu wichtig, um sie während des gesamten Schwungs bewusst manipulieren zu wollen.

Lernen Sie zunächst, den Schläger sinnvoll zu greifen. Geben Sie Ihren Gelenken genügend Bewegungsfreiheit. Entwickeln Sie einen einfachen Bewegungsablauf. Beobachten Sie, was Ihr Ball tatsächlich macht. Arbeiten Sie zunächst mit weniger Geschwindigkeit, bevor Sie nach mehr Länge suchen.

Und wenn Ihr Ballflug ein wiederkehrendes Problem erkennen lässt, nutzen Sie Technik, um genau dieses Problem zu lösen.

Für einen Golfer, der gerade einen zuverlässigen Schwung entwickelt, ist das wahrscheinlich wesentlich hilfreicher als der Versuch, seine Handgelenke während der rund zwei Sekunden eines Golfschwungs permanent bewusst zu kontrollieren.

Von Laurent Agostini

Laurent Agostini ist seit 2010 als Golfjournalist tätig. Er ist Gründer von MyGolfMedia und Autor mehrerer Golfbücher, darunter *Penser avant de swinguer*. Er beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen im Golfsport, Technologien, Ausrüstung und Methoden zur Spielverbesserung. Seine journalistische Arbeit zeichnet sich durch einen unabhängigen Ansatz aus, der auf Fakten, Daten und den Erfahrungen von Golfexperten basiert.

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