Freddy Schott, Nicolai von Dellingshausen und Marcel Schneider bei den Irish Open 2026 in DoonbegFür Freddy Schott, Nicolai von Dellingshausen und Marcel Schneider wurden die Irish Open 2026 in Doonbeg zu einem schwierigen Test.

Shane Lowry beendete die Irish Open 2026 mit einem Ergebnis, das beinahe unwirklich erscheint: 23 unter Par, elf Schläge Vorsprung und Runden von 67, 62, 65 und 63. Während der Ire den Trump International Golf Links in Doonbeg scheinbar entschlüsselte, erlebten die deutschen Spieler auf demselben Platz das genaue Gegenteil. Freddy Schott und Nicolai von Dellingshausen verpassten den Cut deutlich, Marcel Schneider musste das Turnier vorzeitig aufgeben. Schott und von Dellingshausen wurden bei jeweils +11 geführt – 34 Schläge hinter Lowrys späterem Siegscore. Dieser extreme Kontrast macht die deutsche Bilanz bei den Irish Open interessanter, als es ein gewöhnlicher verpasster Cut vermuten lässt. Denn Doonbeg zeigte innerhalb weniger Tage zwei völlig unterschiedliche Gesichter: einen Links-Platz, der selbst erfahrene Tourspieler am Donnerstag an ihre Grenzen brachte – und einen Platz, auf dem Lowry anschließend Ergebnisse produzierte, die fast nach einer anderen Sportart aussahen.

Ein Donnerstag, der das Turnier praktisch schon entschied

Für die deutschen Spieler begann das Problem bereits in der ersten Runde. Starker Wind traf auf einen extrem exponierten Links-Platz, dazu kamen lange Wartezeiten und ein ungewöhnlich langsames Spieltempo. Einige Runden dauerten mehr als sechs Stunden, 21 Spieler konnten ihre Runde wegen einsetzender Dunkelheit nicht beenden. Selbst Weltklassespieler hatten Schwierigkeiten: Tyrrell Hatton benötigte wie Schott 78 Schläge, Jon Rahm und Sergio Garcia reagierten sichtbar frustriert auf die Bedingungen, und immer wieder bewegte der Wind die Bälle auf den exponierten Grüns. Joaquin Niemann zeigte allerdings mit einer 65, dass ein gutes Ergebnis möglich war, während Lowry mit 67 bereits eine der besten Runden des Tages spielte.

Freddy Schott unterschrieb eine 78 (+8). Nicolai von Dellingshausen traf es noch härter. Weil er seine Runde am Donnerstag nicht beenden konnte, musste er am Freitagmorgen zurück auf den Platz. Nach einem weiteren Bogey stand schließlich eine 81 (+11) auf seiner Scorekarte. Marcel Schneider hatte seine Runde bereits vorzeitig beendet. Damit war für zwei der drei Deutschen bereits nach 18 Löchern klar, dass am Freitag eine außergewöhnliche Aufholjagd notwendig sein würde. Besonders bemerkenswert war Schotts Situation: Der 25-Jährige hatte erst im Februar die Bahrain Championship gewonnen und dabei unter anderem Patrick Reed im Play-off bezwungen. Er war also keineswegs als Spieler nach Irland gekommen, dessen Niveau grundsätzlich nicht für solche Felder ausreichte.

Von Dellingshausen versucht die Aufholjagd – und wird sofort gestoppt

Von Dellingshausen begann seinen zweiten Tag tatsächlich so, wie eine solche Aufholjagd beginnen musste. Birdies an der 3 und 6 ließen zumindest kurz Hoffnung aufkommen. Dann kam das Par 3 der 7. Probleme aus dem Grünbunker führten zum Doppelbogey und bremsten den Versuch praktisch sofort wieder ab. Ein weiteres Birdie am folgenden Loch konnte den Schaden nur teilweise korrigieren. Schott erlebte eine ähnliche Geschichte. Nach einem Bogey an der 2 gelang ihm zwar an der 5 der Ausgleich, doch ein Dreiputt-Bogey an der 6 und ein Doppelbogey am Par 3 der 9 machten den Cut schon nach den ersten neun Löchern zu einem äußerst entfernten Ziel. Zwei weitere Birdies auf den Back Nine wurden durch ein weiteres Doppelbogey neutralisiert. Seine 73 (+3) bedeutete schließlich ebenfalls das klare Aus.

Das Interessante daran ist weniger, dass zwei Deutsche den Cut verpassten, sondern wie früh Doonbeg ihre Turniere praktisch entschieden hatte. Auf einem gewöhnlichen Tourplatz lässt sich eine schlechte erste Runde manchmal durch aggressives Spiel am Freitag reparieren. Auf einem windanfälligen Links funktioniert diese Rechnung wesentlich schlechter. Wer bereits acht oder elf Schläge über Par liegt, muss Risiken eingehen – genau auf einem Platz, der schlecht ausgeführte aggressive Schläge besonders hart bestrafen kann. Schott und von Dellingshausen befanden sich damit in einer klassischen strategischen Falle: Sie mussten Birdies produzieren, konnten sich gleichzeitig aber kaum weitere Fehler erlauben.

Was Lowry anders machte

Der Vergleich mit Shane Lowry zeigt, warum diese Woche nicht einfach mit „schwierigen Bedingungen“ erklärt werden kann. Am Donnerstag spielte auch Lowry im Wind. Trotzdem unterschrieb er eine 67. Besonders interessant war seine Erklärung danach. In solchen Bedingungen müsse man mit viel Gefühl spielen, sagte der Ire. Es gehe um Visualisierung und darum, nicht jeden Schlag ausschließlich über Zahlen kontrollieren zu wollen. Gerade im Wind könne die tatsächliche Flugbahn eines Balles nicht vollständig aus einer Distanz und einer berechneten Windkorrektur abgeleitet werden. Lowry beschrieb damit ziemlich genau eine der klassischen Fähigkeiten erfolgreichen Links-Golfs: Ballflug, Gefühl, Vorstellungskraft und Akzeptanz müssen zusammenarbeiten.

Joaquin Niemann lieferte am selben Tag ein weiteres Beispiel. Der Chilene gewann mit seinem niedrigen Ballflug die Kontrolle über die Bedingungen und spielte 65. Er sprach anschließend davon, wie wichtig es gewesen sei, Abschläge und Eisenschläge unter dem Wind zu halten. Das ist eine wichtige Einordnung der deutschen Resultate. Doonbeg war schwierig, aber nicht unspielbar. Die Bedingungen vergrößerten vielmehr die Unterschiede zwischen Spielern, die ihre Flugkurven kontrollieren und sich situativ anpassen konnten, und Spielern, deren Fehler durch den Wind zusätzlich verstärkt wurden. Am Freitag änderten sich die Bedingungen deutlich. Der Wind ließ nach, und Lowry nutzte das sofort für eine 62 – neuen Platzrekord.

34 Schläge Unterschied – aber keine 34 Schläge Leistungsunterschied

Am Ende steht eine beinahe absurde Zahl. Lowry gewann mit 23 unter Par, Schott und von Dellingshausen wurden bei jeweils elf über Par geführt. Zwischen ihnen liegen 34 Schläge. Natürlich bedeutet das nicht, dass Lowry über vier Turniertage grundsätzlich 34 Schläge besser wäre als die beiden Deutschen. Golf funktioniert nicht linear. Genau deshalb ist der Vergleich interessant. Ein Turnier kann sehr früh eine Richtung einschlagen, aus der sich ein Spieler kaum noch befreien kann. Ein schlechter Start zwingt zu mehr Risiko, zusätzliches Risiko erzeugt neue Fehler, und plötzlich erzählt das Endergebnis eine viel größere Geschichte als der tatsächliche Leistungsunterschied zwischen den Spielern.

Für Schott ist Doonbeg deshalb auch kein Grund, seine Saison grundsätzlich negativ zu bewerten. Sein Sieg bei der Bahrain Championship im Februar bleibt ein bedeutender Erfolg und war sein erster Titel auf der DP World Tour. Von Dellingshausen verfügt ebenfalls bereits über einen Tour-Sieg. Das macht das irische Wochenende sogar lehrreicher: Gute Spieler können auf einem Links-Platz sehr schnell sehr hohe Scores produzieren. Form, Technik und Selbstvertrauen verschwinden nicht plötzlich. Aber bestimmte Platzbedingungen können Schwächen stärker sichtbar machen als andere.

Die eigentliche Lektion aus Doonbeg

Für deutsche Amateurgolfer steckt darin vielleicht mehr Erkenntnis als in einem weiteren Artikel über Lowrys Rekordsieg. Links-Golf belohnt nicht unbedingt den Spieler, der den Ball am höchsten, weitesten oder technisch schönsten schlägt. Es verlangt die Fähigkeit, die Flughöhe zu verändern, Wind nicht permanent zu bekämpfen, sondern ihn in die Schlagplanung einzubeziehen, schlechte Lagen zu akzeptieren und nach einem Fehler nicht sofort den verlorenen Schlag zurückholen zu wollen. Genau diese Kombination aus Technik und Entscheidungsfindung macht einen Platz wie Doonbeg so brutal.

Die Irish Open 2026 lieferten dafür ein außergewöhnliches Experiment. Gleicher Platz, gleiches Turnier – und völlig unterschiedliche Realitäten. Schott eröffnete mit 78, von Dellingshausen mit 81 und Schneider gab auf. Gleichzeitig begann Lowry mit 67 und Niemann mit 65. Einen Tag später spielte Lowry 62. Vier Tage später stand er bei 23 unter Par und elf Schlägen Vorsprung.

Für die deutschen Spieler war Doonbeg eine Woche zum Vergessen. Für Golfer, die verstehen wollen, warum ein Links-Platz innerhalb desselben Teilnehmerfeldes derart extreme Unterschiede erzeugen kann, war sie dagegen ausgesprochen aufschlussreich. Das vielleicht Bemerkenswerteste an den Irish Open 2026 war deshalb nicht nur, wie gut Shane Lowry spielte. Es war auch zu sehen, wie schmal auf einem Platz wie Doonbeg die Grenze zwischen Kontrolle und Kontrollverlust sein kann.

Von Laurent Agostini

Laurent Agostini ist seit 2010 als Golfjournalist tätig. Er ist Gründer von MyGolfMedia und Autor mehrerer Golfbücher, darunter *Penser avant de swinguer*. Er beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen im Golfsport, Technologien, Ausrüstung und Methoden zur Spielverbesserung. Seine journalistische Arbeit zeichnet sich durch einen unabhängigen Ansatz aus, der auf Fakten, Daten und den Erfahrungen von Golfexperten basiert.

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