Maximilian Steinlechner beendet seine erste komplette Saison auf der DP World Tour mit einer 65. Die beste Runde seiner Woche beim Genesis Championship bringt den Österreicher auf den geteilten 34. Platz und hält ihn auf Rang 90 im Race to Dubai. Für die Top 70 und die Play-offs in Abu Dhabi reicht es nicht. Trotzdem verlässt der 26-Jährige Korea mit der entscheidenden Gewissheit: Seine volle Spielberechtigung für 2027 ist gesichert. Zwölf Monate nach dem Aufstieg von der HotelPlanner Tour muss er nicht zurück ins Qualifying.
Die Ausgangslage vor dem Genesis Championship ließ zwei sehr unterschiedliche Ziele zu. Das erste war bereits erreicht: Steinlechner musste in Südkorea nicht mehr um seine Karte kämpfen, seine Position im Race to Dubai reichte für die Category 10 und damit für einen nahezu vollständigen Spielplan 2027. Das zweite Ziel war deutlich schwieriger. Steinlechner kam als 90. des Race to Dubai nach Cheonan, nur die besten 70 verfügbaren Spieler würden zum Abu Dhabi Championship weiterziehen. Bei 5.000 vergebenen Punkten war der Rückstand theoretisch aufzuholen, praktisch brauchte der Tiroler ein Spitzenergebnis.

65 Schläge: die beste Runde zum Schluss
Steinlechner begann mit einer 70, einen Schlag unter Par, ließ am Freitag eine 73 und am Samstag eine 72 folgen. Nach 54 Löchern stand er bei zwei über Par, die Play-offs waren weit entfernt. Am Sonntag zeigte er dann noch einmal das Golf, das in seiner Rookie-Saison mehrfach aufgeblitzt war: eine 65, sechs unter Par, die ihn mit insgesamt 280 Schlägen und -4 noch auf den geteilten 34. Platz brachte.
Dafür erhielt er 36,5 Punkte und beendet die reguläre Saison auf Rang 90 mit 663,01 Punkten. Wie groß die Lücke war, zeigt der Blick auf die Grenze: Ryan Gerard, 70. und letzter Qualifizierter für Abu Dhabi, steht bei 868,14 Punkten. Steinlechner fehlten rund 205 Punkte, eine Größenordnung, die nur ein Platz ganz vorne hätte schließen können. Seine Saison endet damit in Korea, seine Zukunft auf der Tour nicht.
Vor zwölf Monaten war diese Sicherheit noch das große Ziel
Genau darin liegt die eigentliche Bedeutung seiner Position. Steinlechner spielte 2026 seine erste volle Saison auf der DP World Tour, ein Jahr zuvor bestand sein Ziel noch darin, überhaupt hierherzukommen. Der Innsbrucker war 2023 nach vier Jahren College-Golf an der University of North Carolina Profi geworden. 2024 gewann er erstmals auf der Alps Tour und spielte parallel 16 Turniere auf der damaligen Challenge Tour, wo ihm Rang 61 im Road to Mallorca für 2025 ein volles Spielrecht verschaffte.
Dort veränderte sich seine Karriere, und der entscheidende Moment kam ausgerechnet zu Hause. Beim Interwetten Open in Schladming-Dachstein feierte Steinlechner im Juli 2025 seinen ersten Sieg auf der HotelPlanner Tour. Er ging mit Vorsprung in die Finalrunde, spielte am Sonntag eine 64 und gewann mit insgesamt -21 zwei Schläge vor dem Italiener Filippo Celli, der ein Jahr später ebenfalls seine Karte auf der DP World Tour behalten hat.
Direkt danach wurde Steinlechner Zweiter bei der D+D REAL Czech Challenge, weitere Spitzenresultate folgten. Am Saisonende stand er auf Rang drei des Road to Mallorca und hatte den Aufstieg geschafft. 2026 sollte zeigen, ob er auch bleiben konnte.
Der Einstieg war schwieriger als der Aufstieg
Der Unterschied zwischen HotelPlanner Tour und DP World Tour wurde schnell sichtbar. Steinlechner verpasste zu Beginn seiner Rookie-Saison mehrere Cuts, und als er im Herbst beim Austrian Alpine Open antrat, hatte er erst sechs Cuts in 15 Starts geschafft. Für einen Spieler, der 2025 zu den konstantesten der HotelPlanner Tour gehört hatte, war das eine neue Situation: Die Form, die zum Aufstieg geführt hatte, reichte auf der höheren Ebene nicht automatisch für regelmäßige Wochenenden.
Die Wende kam wieder in Österreich. Beim Austrian Alpine Open in Kitzbühel spielte Steinlechner mit 65, 68, 68 und 65 vier Runden unter 70, kam auf -14 und wurde geteilter Siebter, sein erstes Top-10-Ergebnis auf der DP World Tour. Am Sonntag spielte er dabei an der Seite von Sepp Straka, zweimaliger Ryder-Cup-Spieler und der erfolgreichste österreichische Golfer seiner Generation. Steinlechner sagte anschließend, er werde dieses Turnier wohl lange nicht vergessen. Sportlich zählte vor allem, dass er erstmals gezeigt hatte, auf diesem Niveau um vordere Plätze spielen zu können.
Beim KLM Open der nächste Schritt
Wenige Wochen später bestätigte Steinlechner beim KLM Open, dass Kitzbühel kein Ausreißer gewesen war. Eugenio Chacarra gewann mit -11 vor Oliver Lindell (-10), dahinter teilten sich Joe Dean, Ángel Ayora, Sebastian Söderberg und Maximilian Steinlechner bei -8 den dritten Platz. Das Ergebnis brachte ihm 166 Race-to-Dubai-Punkte und war sein bis dahin bestes auf der DP World Tour.
Der Vergleich mit einem der Mitspieler auf diesem Podium ist aufschlussreich. Söderberg, im Juni gleichauf mit Steinlechner, beendet die Saison als 103. und rutscht in die Category 18. Der Österreicher liegt 13 Plätze vor ihm und behält die volle Karte. Aus dem Rookie, der in der ersten Saisonhälfte regelmäßig am Cut gescheitert war, war innerhalb weniger Wochen ein Spieler geworden, der zweimal unter den besten Sieben landete, und plötzlich schien sogar Abu Dhabi möglich.
Drei verpasste Cuts machten aus dem Play-off-Traum eine Außenseiterchance
Der Herbst verlief allerdings nicht geradlinig. Nach einem 14. Platz bei der Irish Open folgten drei verpasste Cuts in Serie, genau in der Phase, in der die Punkte besonders wertvoll wurden. Beim DP World India Championship schaffte er wieder den Cut, kam aber nicht über Rang 76 hinaus, und so reiste er als 90. nach Korea.
Der Österreichische Golf-Verband beschrieb die Lage vor dem Turnier treffend: Die Tourkarte war längst abgesichert, nun ging es um die letzte Chance auf die Play-offs. Steinlechner hat in Korea also nicht seine Saison gerettet, sondern versucht, eine bereits erfolgreiche Rookie-Saison um zwei der größten Turniere des Jahres zu verlängern. Das gelang nicht.
Rang 90 bedeutet 2027 etwas anderes als noch vor einem Jahr
Der 90. Platz hat 2026 zudem eine besondere Bedeutung, weil die DP World Tour ihr Mitgliedersystem verschärft hat. Bis zur vergangenen Saison erhielten die besten 110 des Race to Dubai eine volle Karte, nun sind es nur noch 100 Spieler. Die Plätze 101 bis 110 erhalten Category 18, einen bedingten Status: Diese Spieler stehen zu Saisonbeginn hinter den Absolventen der Qualifying School und werden später gemeinsam mit ihnen neu gereiht. Die Plätze 111 bis 125 rutschen in die Category 19.
Steinlechner gehört mit Rang 90 nicht zu diesen Gruppen. Er erhält Category 10 und damit genau die Planungssicherheit, die die Tour mit der Reform den Spielern innerhalb der Top 100 geben will. Zehn Plätze trennen ihn von der entscheidenden Grenze, und während der Unterschied zwischen Rang 90 und Rang 101 vor einem Jahr kaum ins Gewicht gefallen wäre, ist er für 2027 erheblich.
Wiesberger in Abu Dhabi, Steinlechner auf der Tour
Aus österreichischer Sicht ist die Bilanz deshalb zweigeteilt, aber keineswegs leer. Bernd Wiesberger beendet die reguläre Saison als 12. des Race to Dubai und spielt nicht nur in Abu Dhabi, sondern hat auch beste Aussichten auf das Finale in Dubai. Sepp Straka, der den Großteil seiner Saison auf der PGA Tour bestreitet, ist mit nur neun Starts 138. und auf diese Wertung nicht angewiesen.
Steinlechner dagegen ist in Abu Dhabi nicht mehr dabei, doch der langfristig wichtigere Teil seiner Aufgabe ist erfüllt. Er muss nicht zurück auf die HotelPlanner Tour und nicht zur Q-School, sondern kann seine Vorbereitung auf 2027 mit einem DP-World-Tour-Kalender planen. Für einen Rookie ist das keine Nebensache: Längst nicht alle, die über HotelPlanner Tour oder Q-School aufsteigen, schaffen sofort den dauerhaften Übergang, und die Reduzierung der vollen Karten von 110 auf 100 verschärft diesen Wettbewerb zusätzlich.
Auch im übrigen deutschsprachigen Raum zeigt Korea zwei Seiten. Der Deutsche Freddy Schott ist als 44. in Abu Dhabi dabei und liegt aktuell innerhalb der Top 50, der Schweizer Joel Girrbach behält als 82. die volle Karte. Für Nicolai von Dellingshausen (117.), Thomas Rosenmüller (119.) und Marcel Schneider (120.) reicht es dagegen nur für die Category 19; von Dellingshausen ist allerdings durch seinen Sieg in Österreich ohnehin abgesichert.
2025 ging es um den Aufstieg, 2026 um das Bleiben
Die vergangenen zwei Jahre ergeben eine klare Entwicklung. 2025 gewann Steinlechner zu Hause das Interwetten Open und beendete den Road to Mallorca auf Rang drei. 2026 spielte er erstmals eine komplette Saison auf der DP World Tour, mit einem schwierigen Start, dann einem siebten Platz in Kitzbühel und einem dritten beim KLM Open. Am Ende steht Rang 90: nicht gut genug für Abu Dhabi, aber gut genug für das Ziel, das vor zwölf Monaten alles bestimmte.
Seine letzte Runde passt erstaunlich gut zu diesem ersten Jahr. Drei Tage lang kam er in Korea nicht wirklich voran, dann spielte er am Sonntag eine 65 und zeigte noch einmal, warum er bleiben darf. 2025 musste Maximilian Steinlechner beweisen, dass er gut genug für den Aufstieg ist. 2026 musste er beweisen, dass er gut genug ist, um zu bleiben – und das hat er geschafft.
Quellen
- DP World Tour – Maximilian Steinlechner, Spielerprofil
- Österreichischer Golf-Verband – Genesis Championship: Steinlechner jagt in Korea die letzte Playoff-Chance
- HotelPlanner Tour – Steinlechner impresses on home soil again
- DP World Tour – Maximilian Steinlechner relishing bid for hat-trick of home wins in Austria
- DP World Tour – KLM Open 2026: Points and prize money
- HotelPlanner Tour – Steinlechner looking to build on career-changing two weeks in Germany
- HotelPlanner Tour – Morrison secures Rolex Grand Final title and Ritchie crowned HotelPlanner Tour Number One
- DP World Tour – DP World Tour announces its 2026 global tournament schedule
- DP World Tour – Genesis Championship 2026 – Leaderboard
- DP World Tour – Race to Dubai Rankings
