Mizuno Pro S-4 geschmiedetes Golfeisen mit tieferem Schwerpunkt und mehr FehlerverzeihungDas Mizuno Pro S-4 ergänzt die Signature Series mit einem tieferen Schwerpunkt, mehr Offset in den langen Eisen und zusätzlicher Fehlerverzeihung.

Mizuno erweitert seine Signature Series um das Pro S-4, ohne das S-3 damit überflüssig zu machen. Ein tieferer Schwerpunkt, ein höherer Ballflug, mehr Offset und zusätzliche Fehlerverzeihung: Die technischen Unterschiede sind real. Doch hinter dieser Neuerscheinung steckt möglicherweise eine noch interessantere Entwicklung. Die entscheidende Frage lautet nicht, ob das neue Modell besser als sein Vorgänger ist, sondern für welche Golfer diese Unterschiede tatsächlich einen Vorteil darstellen.

Auf dem Markt für Golfausrüstung läuft vieles nach einem beinahe automatischen Muster ab. Eine neue Saison beginnt, ein neues Eisen erscheint – und plötzlich wirkt das Vorgängermodell ein wenig älter. Auch das Vokabular verändert sich kaum: mehr Geschwindigkeit, mehr Fehlerverzeihung, besseres Gefühl, optimierter Schwerpunkt, verbesserte Interaktion mit dem Boden. Wer die Branche aufmerksam verfolgt, könnte fast den Eindruck bekommen, dass die eigenen Schläger über Nacht an Leistungsfähigkeit verlieren. Beim neuen Mizuno Pro S-4 lohnt es sich jedoch, genauer hinzusehen. Denn der japanische Hersteller bringt nicht einfach einen Nachfolger auf den Markt, der das S-3 ersetzen soll. Vielmehr ergänzt Mizuno seine Signature Series um eine weitere Konstruktion neben dem Muscleback S-1 und dem kompakten Cavity-Back S-3. Auf den ersten Blick ist das nur eine Frage der Produktpositionierung. Tatsächlich berührt es aber eine wesentlich grundsätzlichere Frage: Was bedeutet „neu“ bei Golfschlägern eigentlich?

Das S-4 ersetzt das S-3 nicht wirklich

Genau darin liegt möglicherweise der interessanteste Aspekt dieser Markteinführung. Mizuno hat seine Signature Series so aufgebaut, dass mehrere Modelle mit unterschiedlichen Eigenschaften nebeneinander existieren können. Das S-1 legt den Schwerpunkt auf Kontrolle und das direkte Feedback eines klassischen Blades, das S-3 verbindet eine kompakte Form mit einer Cavity-Back-Konstruktion, während das neue S-4 stärker in Richtung einfacher Ballstart und höhere Stabilität geht. Gleichzeitig eröffnet diese Produktarchitektur die Möglichkeit, verschiedene Modelle innerhalb eines Bags miteinander zu kombinieren. Ein Spieler könnte beispielsweise S-3 in den kurzen und mittleren Eisen einsetzen und bei den längeren Eisen auf das S-4 wechseln. Und selbst ein S-4-Spieler könnte am oberen Ende des Bags mit einem Utility-Eisen oder Hybrid besser bedient sein.

Dieser Ansatz ist bemerkenswert, weil er eine der tief verwurzelten Vorstellungen des Golfausrüstungsmarktes infrage stellt: neu = besser = das bisherige Modell muss ersetzt werden. Technisch gibt es keinen Grund, warum diese Gleichung grundsätzlich stimmen sollte. Ein Hersteller kann einen anderen Schläger entwickeln, ohne deshalb einen Schläger geschaffen zu haben, der für jeden Golfer besser ist. Ingenieure entwickeln Unterschiede. Das Marketing muss diese Unterschiede attraktiv machen. Der Golfer dagegen sollte herausfinden, ob diese Unterschiede für sein eigenes Spiel überhaupt nützlich sind.

Genau deshalb ist das Pro S-4 ein interessantes Beispiel.

Was Mizuno tatsächlich verändert hat

Beginnen wir mit den Fakten statt mit den Adjektiven. Das Pro S-4 bleibt ein einteilig geschmiedetes Eisen aus 1025E-Carbonstahl. Mizuno verwendet sein Grain-Flow-Forged-HD-Verfahren und eine Kupferschicht unter der Schlagfläche, die das Gefühl und die Vibrationen beim Treffmoment beeinflussen soll. Auch die Triple-Cut-Sohle bleibt Bestandteil der Konstruktion und soll durch ihre Geometrie an Vorder- und Hinterkante die Interaktion mit dem Boden verbessern.

Deutlicher verändert wurde dagegen die Gewichtsverteilung. Durch die Gestaltung des Cavity-Bereichs kann Mizuno den Schwerpunkt tiefer positionieren. Gleichzeitig wird die Sohle breiter und der Offset nimmt insbesondere bei den längeren Eisen zu. Die Idee dahinter ist nachvollziehbar: Das kompakte Erscheinungsbild und das Schlaggefühl eines geschmiedeten Mizuno-Eisens sollen erhalten bleiben, während der Ball leichter startet und der Schläger bei nicht perfekt mittig getroffenen Bällen stabiler reagiert.

Besonders interessant wird der Vergleich mit dem S-3 bei den technischen Daten. Die Lofts bleiben nämlich identisch: 34 Grad beim Eisen 7, 38 Grad beim Eisen 8, 42 Grad beim Eisen 9 und 46 Grad beim Pitching Wedge. Dasselbe gilt für die längeren Eisen mit 24 Grad beim Eisen 4 und 27 Grad beim Eisen 5. Mizuno hat also nicht einfach die Lofts stärker gemacht, um anschließend mit einer spektakuläreren Distanz des Eisen 7 werben zu können.

Beim Offset gibt es dagegen deutlichere Unterschiede. Beim Eisen 4 steigt er von 0,126 Zoll beim S-3 auf 0,165 Zoll beim S-4. Beim Eisen 7 geht es von 0,114 auf 0,138 Zoll. Je kürzer die Eisen werden, desto kleiner wird der Unterschied, bis beim Pitching Wedge beide Modelle mit 0,102 Zoll identisch sind. Es handelt sich also um eine tatsächliche Veränderung der Geometrie und nicht lediglich um eine neue Marketingformulierung.

„Fehlerverzeihender“ – aber bei welchem Fehler?

Mizuno positioniert das S-4 verständlicherweise als das fehlerverzeihendste Modell der Signature Series. Aus Marketingsicht ist dieser Begriff praktisch, für die Auswahl eines Eisens aber nicht präzise genug. Denn Fehlerverzeihung ist keine einzelne Eigenschaft, die man einfach auf einer Skala von eins bis zehn bewerten könnte. Ein Eisen kann bei außermittigen Treffern mehr Ballgeschwindigkeit erhalten, bei tief auf der Schlagfläche getroffenen Bällen einen höheren Launch erzeugen, bestimmte Richtungsabweichungen reduzieren oder schlicht dafür sorgen, dass ein schlechter Treffer weniger Carry-Distanz verliert. Diese Eigenschaften lösen nicht zwangsläufig dasselbe Problem.

Genau deshalb ist der Test von Brian Knudson für GolfWRX interessant. Knudson beobachtete beim S-4 einen vergleichsweise hohen Ballflug und vor allem ein überraschend gutes Verhalten bei Treffern tief auf der Schlagfläche oder etwas in Richtung Spitze. Statt massiv an Länge zu verlieren, behielten einige dieser nicht optimalen Treffer genügend Höhe und Distanz, um zumindest im vorderen Bereich des Grüns zu landen. Er stellte außerdem eine gute Stoppwirkung fest und bewertete das Verhalten der Sohle auf dem feuchten Boden in Michigan positiv – ein relevanter Punkt, da er seinen eigenen Eintreffwinkel als eher steil beschreibt.

Das sind wertvolle Beobachtungen. Aber es sind keine universellen Wahrheiten.

Diese Unterscheidung ist entscheidend. Ein Tester ist kein Labor, und ein Launch-Monitor macht aus einem Schlägertest nicht automatisch eine wissenschaftliche Wahrheit. Er misst sehr präzise, was bei einem bestimmten Spieler mit dessen Geschwindigkeit, Schwungbahn, Schlagflächenstellung, Treffmuster, Schaft, Ball und Bodeninteraktion passiert. Ein Ergebnis, das sich bei Brian Knudson reproduzieren lässt, kann für einen Spieler mit ähnlichen Eigenschaften ausgesprochen interessant sein. Es beweist jedoch nicht, dass das S-4 für jeden Golfer automatisch fehlerverzeihender ist.

Infografik zum Mizuno Pro S-4 mit Triple-Cut-Sohle, tieferem Schwerpunkt, Offset und 1025E-Stahl
Das Mizuno Pro S-4 im Überblick: geschmiedeter 1025E-Stahl, tieferer Schwerpunkt, Triple-Cut-Sohle und mehr Offset in den langen Eisen.

Offset ist nicht nur etwas für hohe Handicaps

Das S-4 bietet auch eine gute Gelegenheit, mit einem kleinen Vorurteil bei Golfschlägern aufzuräumen. Offset genießt unter manchen besseren Spielern einen eigenartigen Ruf. Je kompakter der Kopf, je dünner die Topline und je näher die Vorderkante optisch am Schaft liegt, desto mehr wird ein Eisen häufig als „Players Iron“ wahrgenommen. Ein sichtbar größerer Offset kann dagegen fast so wirken, als müsse der Spieler eingestehen, Hilfe zu benötigen.

Dabei hat ein geometrischer Parameter kein Handicap. Er erzeugt lediglich bestimmte Auswirkungen, die zur individuellen Art, den Schläger an den Ball zu bringen, passen können – oder eben nicht.

Mizuno geht beim S-4 relativ offen mit dem größeren Offset um und positioniert das Eisen trotzdem für spielstärkere Golfer. Der Hersteller versucht also nicht, Unterstützung hinter der Optik eines Blades zu verstecken. Vielmehr soll ein relativ kompaktes Profil erhalten bleiben, während einige Eigenschaften bewusst in Richtung höherer Launch und größerer Stabilität verschoben werden. Das bedeutet wiederum nicht, dass mehr Offset grundsätzlich besser wäre. Es bedeutet lediglich, dass es wenig sinnvoll ist, einen Schläger allein aufgrund seiner Optik abzulehnen, bevor man gemessen hat, was diese Geometrie tatsächlich mit den eigenen Schlägen macht.

Das Eisen 4 erzählt vielleicht den interessantesten Teil der Geschichte

Der möglicherweise nützlichste Punkt im GolfWRX-Test betrifft ausgerechnet den Schläger, mit dem Knudson am wenigsten zufrieden war: das Eisen 4. Dessen Flugkurve war für seinen Geschmack zu flach, weshalb er es wahrscheinlich durch ein Utility-Eisen oder einen Hybrid ersetzen würde, um mehr Konstanz zu erzielen.

Für viele Amateurspieler dürfte diese Beobachtung wertvoller sein als manche Beschreibung des Schlaggefühls beim Schmieden.

Warum sollten Sie acht Eisen spielen, nur weil ein Hersteller acht Eisen einer Serie anbietet? Ein Eisen 4 mit 24 Grad Loft hat kein Anrecht auf einen Platz in Ihrem Bag. Es hat nur eine Aufgabe: einen bestimmten Schlag über eine bestimmte Distanz mit ausreichender Höhe, akzeptabler Streuung und einem passenden Landewinkel zu produzieren. Erfüllt ein Hybrid oder Utility-Eisen diese Aufgabe zuverlässiger, spielt der Modellname auf der Rückseite des Schlägers letztlich keine Rolle.

Gerade hier wird die Struktur der Mizuno-Serie besonders interessant. Wenn S-3 und S-4 dieselben Lofts besitzen und unterschiedliche Modelle innerhalb eines Bags sinnvoll kombiniert werden können, gibt es immer weniger Gründe, ausschließlich in vollständigen „Eisensätzen“ zu denken. Sinnvoller ist es, Schläger für Schläger und Aufgabe für Aufgabe zu betrachten. S-3 in den kurzen Eisen für einen Spieler, dem deren Profil gefällt, S-4 weiter oben im Bag für einen leichteren Launch und schließlich Hybrid oder Utility, sobald ein klassisches langes Eisen keine zuverlässige Flugkurve mehr liefert. Optisch mag ein solcher Satz im Bag weniger einheitlich aussehen. Auf dem Golfplatz kann er erheblich sinnvoller sein.

S-4 oder S-3? Vergessen Sie diese Frage zunächst

Wer bereits S-3-Eisen besitzt, wird sich verständlicherweise fragen, ob sich ein Wechsel zum S-4 lohnt. Doch bevor beide Modelle miteinander verglichen werden, sollte eine andere Frage beantwortet werden: Welches Problem möchten Sie eigentlich lösen?

Wenn Ihre aktuellen Eisen hoch genug fliegen, die Distanzabstände sinnvoll sind, Ihre Fehlschläge beherrschbar bleiben und jeder Schläger seine Aufgabe auf dem Platz erfüllt, dann hat die Einführung des S-4 nicht plötzlich ein neues Problem in Ihrem Bag geschaffen.

Anders sieht es bei einem Golfer aus, der die Optik und das Gefühl eines kompakten geschmiedeten Eisens schätzt, bei etwas zu tiefen Treffern aber regelmäßig erhebliche Distanzverluste feststellt. Für ihn kann ein Test des S-4 durchaus sinnvoll sein. Dasselbe gilt für Spieler, deren längere Eisen zu flach fliegen oder mit einem zu geringen Landewinkel auf dem Grün ankommen. Erst in diesem Moment werden die Eigenschaften des S-4 wirklich relevant – nicht weil sie neu sind, sondern weil sie zu einem zuvor identifizierten Problem passen.

Und genau so sollte auch ein sinnvoller Vergleichstest aufgebaut werden. Bringen Sie Ihr aktuelles Eisen 7 mit und beginnen Sie damit. Verwenden Sie denselben Ball und schlagen Sie genügend Bälle, damit zwei perfekte Schwünge nicht acht durchschnittliche Schläge überdecken. Testen Sie anschließend S-3 und S-4 in möglichst vergleichbaren Konfigurationen. Betrachten Sie nicht nur die durchschnittliche Carry-Distanz, sondern auch maximale Flughöhe, Spin, Landewinkel und Streuung. Vor allem aber sollten Sie beobachten, was passiert, wenn Sie den Ball nicht perfekt treffen.

Ihre schlechten Schläge können Ihnen bei der Wahl eines neuen Eisens mehr verraten als Ihre besten.

Wenn Ihr aktuelles Eisen 7 regelmäßig 145 Meter Carry produziert und das S-4 147 Meter erreicht, ist dieser Unterschied möglicherweise weit weniger wichtig als die Erkenntnis, dass ein leicht zu tief getroffener Ball statt 132 nun 139 Meter fliegt. Umgekehrt ist ein Gewinn von einigen Metern bei gleichzeitig größerer Streuung oder einem ungünstigen Abstand zum nächsten Schläger nicht zwangsläufig ein Fortschritt. Ein messbarer Gewinn ist nur dann nützlich, wenn er auf dem Golfplatz etwas verbessert, das Sie tatsächlich benötigen.

Ein interessanterer Umgang mit Neuheiten?

Ob Mizuno diese Strategie der Signature Series über mehrere Produktzyklen tatsächlich beibehält, muss sich erst zeigen. Auch Mizuno ist Teil einer Industrie, die Schläger verkaufen, Neuheiten schaffen und Golfern Gründe geben muss, wieder in ein Golfgeschäft oder Fitting-Studio zu gehen. Es wäre daher übertrieben, aus dem S-4 einen Gegenentwurf zum permanenten Produktwechsel der Golfbranche zu machen.

Trotzdem ist die Art und Weise interessant, wie dieses Modell in die Produktfamilie eingeordnet wird. Das S-4 muss das S-3 nicht zu einem schlechten Eisen erklären, um seine eigene Existenz zu rechtfertigen. Es darf einfach anders sein. Mizuno kann S-1, S-3 und S-4 parallel anbieten, weil drei Golfer mit vergleichbarer Spielstärke drei unterschiedliche Kopfkonstruktionen benötigen können. Ein vierter Spieler könnte sogar mehrere davon innerhalb desselben Bags kombinieren.

Wenn man es so formuliert, klingt das selbstverständlich. In einem Markt, der Golfer über viele Jahre daran gewöhnt hat, vor allem in aufeinanderfolgenden Produktgenerationen zu denken, ist es das jedoch keineswegs.

Vielleicht liegt genau darin die interessanteste Eigenschaft des Mizuno Pro S-4 – noch bevor entschieden wird, ob es einen Platz in Ihrem Bag verdient. Es zwingt uns, eine beinahe reflexartige Frage aufzugeben – Ist es besser als das S-3? – und stattdessen eine anspruchsvollere und wesentlich nützlichere zu stellen:

Was macht dieses Eisen tatsächlich anders – und brauche ich diesen Unterschied überhaupt?

Mizuno hat einen Unterschied geschaffen. Nun liegt es am Golfer herauszufinden, ob dieser Unterschied für das eigene Spiel tatsächlich einen Fortschritt darstellt.

Von Laurent Agostini

Laurent Agostini ist seit 2010 als Golfjournalist tätig. Er ist Gründer von MyGolfMedia und Autor mehrerer Golfbücher, darunter *Penser avant de swinguer*. Er beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen im Golfsport, Technologien, Ausrüstung und Methoden zur Spielverbesserung. Seine journalistische Arbeit zeichnet sich durch einen unabhängigen Ansatz aus, der auf Fakten, Daten und den Erfahrungen von Golfexperten basiert.

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