Piretti No-Torque Putter Ferrara 2.5 und Savona 2.5Die Piretti No-Torque Putter Ferrara 2.5 und Savona 2.5 setzen auf eine spezielle Balance, die unerwünschte Rotation der Schlagfläche während des Putting-Strokes reduzieren soll.

Während sich beim Houston Open fast alle Blicke auf die Stars des Turniers richteten, waren auf dem Putting Green zwei deutlich unauffälligere Neuheiten zu entdecken. Keine neuen Driver, keine spektakulären Schäfte und auch keine weitere künstliche Intelligenz, die dem Golfer den perfekten Schlag verspricht. Stattdessen ging es um etwas wesentlich Elementareres: die Frage, wie stabil sich die Schlagfläche eines Putters während der Bewegung kontrollieren lässt.

Die beiden Modelle stammen von Piretti Golf und tragen eine Bezeichnung, die bereits das gesamte technische Versprechen zusammenfasst: No-Torque.

Die Idee dahinter klingt zunächst überzeugend. Wenn sich die Schlagfläche während des Putts weniger ungewollt öffnet oder schließt, sollte es theoretisch leichter werden, sie im Treffmoment square zum Ziel auszurichten. Weniger Rotation, mehr Kontrolle, bessere Startlinie.

Doch Golf wäre nicht Golf, wenn die Sache so einfach wäre.

Denn mit einem Preis von 549 US-Dollar bewegt sich Piretti in einem Segment, in dem ein interessantes technisches Konzept allein nicht genügt. Ein solcher Putter muss nicht nur hervorragend verarbeitet sein. Er muss dem Spieler einen tatsächlichen Vorteil bieten.

Genau deshalb lohnt sich ein genauerer Blick auf den Ferrara 2.5 und den Savona 2.5.

Piretti Golf: klein, amerikanisch und bewusst exklusiv

Piretti gehört nicht zu den Marken, denen man in jedem Pro-Shop begegnet. Das Unternehmen wurde 2008 in Spring bei Houston, Texas, gegründet und hat sich bewusst außerhalb des Massenmarktes positioniert.

Während die großen Hersteller jedes Jahr enorme Stückzahlen produzieren und ihre Produkte weltweit über umfangreiche Vertriebsnetze verkaufen, setzt Piretti auf einen anderen Ansatz: gefräste Putter, hochwertige Materialien, enge Fertigungstoleranzen und eine klar amerikanisch geprägte Premiumpositionierung.

Im Mittelpunkt stehen weniger auffällige Marketingelemente als vielmehr klassische Kriterien des Putterbaus: Material, Balance, Fräsung, Gewicht und Schlaggefühl.

Auch auf der Tour war der Name bereits zu sehen. Tony Finau spielte zeitweise einen Piretti-Putter. Das verschafft einer kleinen Marke zweifellos Aufmerksamkeit, sollte aber nicht überbewertet werden. Professionelle Golfer wechseln ihre Putter teilweise innerhalb weniger Wochen – manchmal sogar innerhalb einer Turnierwoche.

Ein Tour-Auftritt ist deshalb ein interessantes Signal. Ein wissenschaftlicher Leistungsnachweis ist er nicht.

Mit der No-Torque-Serie versucht Piretti nun jedoch, sich in einem der derzeit spannendsten Bereiche des Puttermarktes zu positionieren.

Was bedeutet „No-Torque“ überhaupt?

Beim Putting wirkt auf den Schläger nicht nur eine lineare Bewegung. Abhängig von der Konstruktion des Putters, der Position des Schafts, dem Schwerpunkt und der Gewichtsverteilung entstehen Kräfte, die eine Rotation der Schlagfläche begünstigen können.

Genau hier setzt die No-Torque-Idee an.

Piretti versucht, die Konstruktion so auszulegen, dass die Tendenz der Schlagfläche zur Eigenrotation reduziert wird. Das Ziel ist eine möglichst stabile Orientierung der Schlagfläche während des Strokes.

Das klingt zunächst nach einem entscheidenden Vorteil.

Schließlich können bereits geringe Veränderungen des Schlagflächenwinkels erhebliche Auswirkungen auf die Startlinie eines Putts haben. Je weniger der Spieler die Schlagfläche aktiv kontrollieren muss, desto reproduzierbarer könnte theoretisch seine Bewegung werden.

Doch hier beginnt das Problem mit dem Begriff „No-Torque“.

Er suggeriert eine nahezu vollständige Eliminierung eines mechanischen Einflusses und damit indirekt auch eine Vereinfachung des Putting-Strokes. In der Praxis hängt das Ergebnis aber weiterhin vom Spieler ab.

Ein Putter schlägt keinen geraden Putt.

Der Golfer tut es.

Neu ist die Idee nicht

Piretti hat das Prinzip einer rotationsarmen Balance nicht erfunden. Bereits andere Hersteller experimentierten mit Konstruktionen, die eine stärkere Stabilisierung der Schlagfläche erreichen sollten.

Odyssey beispielsweise verfolgte vor einigen Jahren mit seinen Toe-Up-Puttern einen verwandten Ansatz. Auch andere Konzepte des modernen Puttermarktes versuchen, durch die Positionierung von Schaft und Schwerpunkt die natürliche Rotation der Schlagfläche zu reduzieren.

Das macht die Piretti-Konstruktion keineswegs uninteressant.

Es verändert aber die Fragestellung.

Die entscheidende Frage lautet nicht: Funktioniert die Physik hinter dem Konzept?

Natürlich beeinflussen Schwerpunkt, Schaftachse und Gewichtsverteilung das Rotationsverhalten eines Putters.

Die interessantere Frage lautet vielmehr: Hilft genau diese Balance Ihrem individuellen Putting-Stroke?

Und darauf gibt es keine universelle Antwort.

Ferrara 2.5: klassischer Look trifft auf moderne Balance

Von den beiden Modellen dürfte der Ferrara 2.5 besonders jene Spieler ansprechen, die sich mit den zunehmend futuristischen Formen moderner Putter schwertun.

Optisch bleibt er relativ nah an einer klassischen, breiteren Blade-Konstruktion.

Das ist durchaus interessant, denn viele technische Konzepte zur Erhöhung der Stabilität gehen normalerweise mit großen Mallet-Köpfen, Flügelkonstruktionen und teilweise ausgesprochen ungewöhnlichen Formen einher.

Piretti versucht einen anderen Weg.

Der Ferrara 2.5 verbindet eine vergleichsweise traditionelle Silhouette mit der speziellen Balance der No-Torque-Konstruktion. Mit einem Kopfgewicht von rund 365 Gramm gehört er zudem nicht zu den Leichtgewichten.

Das kann insbesondere Spielern entgegenkommen, die während des Strokes gerne die Masse des Putterkopfes spüren.

Der entscheidende Unterschied zu einem konventionellen Blade liegt jedoch nicht in der Optik, sondern in der Art, wie Schaft, Hosel und Schwerpunkt zueinander positioniert werden.

Genau dort entsteht der Charakter des Putters.

Savona 2.5: mehr Stabilität im kompakten Mallet

Der Savona 2.5 interpretiert dieselbe Grundidee in einer anderen Kopfform.

Er ist ein kompakter Mallet und bietet damit eine Alternative für Spieler, die etwas mehr visuelle und mechanische Stabilität wünschen, ohne gleich zu einem extrem großen Putterkopf greifen zu wollen.

Das ist wahrscheinlich die interessantere Lösung für Golfer, die grundsätzlich Mallets bevorzugen.

Denn die größere Geometrie ermöglicht eine andere Gewichtsverteilung als bei einer klassischen Blade-Konstruktion und kann das Stabilitätsgefühl zusätzlich unterstützen.

Auch hier bleibt Piretti optisch vergleichsweise zurückhaltend.

Keine riesigen Ausleger. Keine grellen Alignment-Systeme. Kein Design, das aussieht, als sei es im Windkanal eines Formel-1-Teams entstanden.

Das Produkt bleibt erkennbar ein Putter.

Für Puristen dürfte genau das ein Teil seiner Attraktivität sein.

303er Edelstahl und klassische Fräsqualität

Bei den Materialien geht Piretti keine Experimente ein.

Die Köpfe werden aus 303 Stainless Steel gefertigt, einem Edelstahl, der im Premium-Putterbau seit Jahren etabliert ist. Auch Hersteller wie Scotty Cameron oder Bettinardi setzen bei verschiedenen Modellen auf dieses Material.

Entscheidend ist dabei weniger der prestigeträchtige Name des Metalls als seine Bearbeitung.

Piretti verwendet eine mittlere Fräsung der Schlagfläche, die ein relativ weiches, aber dennoch direktes Feedback erzeugen soll.

Gerade beim Putter ist dieses Feedback nicht zu unterschätzen.

Der Klang beim Treffmoment, die wahrgenommene Härte der Schlagfläche und die Vibrationen über Schaft und Griff beeinflussen das subjektive Gefühl für die Distanzkontrolle.

Das bedeutet allerdings nicht automatisch, dass eine aufwendig gefräste Schlagfläche mehr Putts locht.

Auch hier sollte man zwischen Fertigungsqualität und messbarer Leistung unterscheiden.

Der Touring Pro Black Grip, der in Zusammenarbeit mit Lamkin entwickelt wurde, ergänzt diesen puristischen Ansatz. Er bietet ein relativ direktes Feedback und verzichtet auf das extrem voluminöse Gefühl mancher moderner Puttergriffe.

549 Dollar: Hier beginnt die eigentliche Diskussion

Technisch interessant, hochwertig gefertigt, in den USA produziert – bis hierhin gibt es wenig zu kritisieren.

Dann kommt der Preis.

549 US-Dollar.

Damit konkurriert Piretti nicht mit einem gewöhnlichen Putter aus dem Pro-Shop, sondern mit einigen der renommiertesten Premiumprodukten des Marktes.

Für europäische Käufer wird die Rechnung noch schwieriger. Versandkosten, Einfuhr und Mehrwertsteuer können den tatsächlichen Preis deutlich erhöhen. Je nach Bestellung kann man sich damit schnell einer Größenordnung von 650 Euro oder mehr nähern.

Und an diesem Punkt muss eine nüchterne Frage erlaubt sein:

Was bekommt der Golfer für dieses Geld?

Zunächst zweifellos eine sehr hochwertige Verarbeitung. Dazu eine eigenständige Balancephilosophie, einen gefrästen Kopf aus 303er Edelstahl und ein Produkt, das deutlich exklusiver ist als die üblichen Modelle der großen Hersteller.

Was man dagegen nicht automatisch bekommt, sind weniger Putts.

Der teuerste Fehler wäre, den Putter ohne Fitting zu kaufen

Gerade bei einem Konzept wie No-Torque wäre es widersinnig, den Putter allein aufgrund seiner technischen Beschreibung zu bestellen.

Denn die entscheidende Frage ist nicht, ob ein rotationsarmer Putter theoretisch sinnvoll ist.

Sie lautet:

Wie reagiert Ihr Stroke auf diese Konstruktion?

Ein Spieler, der die Schlagfläche während seiner Bewegung relativ stabil hält, kann ein vollkommen anderes Gefühl entwickeln als ein Golfer mit einer ausgeprägteren Bogenbewegung.

Hinzu kommen Faktoren wie Lie-Winkel, Länge, Griff, Ballposition, Handposition und Setup.

Deshalb sollte ein Vergleich möglichst objektiv erfolgen.

Nehmen Sie Ihren aktuellen Putter und den Piretti. Spielen Sie dieselben Putts aus denselben Distanzen. Messen Sie nicht nur, wie viele Bälle ins Loch gehen, sondern beobachten Sie vor allem Startlinie und Streuung.

Fünf gute Putts reichen dafür nicht.

Erst über eine größere Anzahl von Versuchen zeigt sich, ob die vermeintlich höhere Stabilität tatsächlich reproduzierbar ist.

Das ist weniger spektakulär als ein Werbevideo über „Zero Torque“.

Aber deutlich aussagekräftiger.

No-Torque löst nicht das größte Problem der meisten Amateure

Hier liegt möglicherweise die wichtigste Einschränkung des gesamten Konzepts.

Viele Amateurspieler verlieren auf dem Grün nicht deshalb Schläge, weil ihr Putter technisch zu viel Torque erzeugt.

Sie verlieren sie, weil ihre Distanzkontrolle inkonsistent ist, sie Grüns falsch lesen, ihre Ausrichtung schwankt oder der Treffpunkt auf der Schlagfläche nicht konstant ist.

Keiner dieser Fehler verschwindet automatisch mit einem 549-Dollar-Putter.

Das ist ein Punkt, der in der Diskussion über modernes Golfequipment häufig verloren geht.

Technologie kann bestimmte Variablen optimieren. Sie kann aber nicht sämtliche Ursachen eines schlechten Ergebnisses beseitigen.

Ein stabilerer Putterkopf kann einem bestimmten Spieler helfen, seine Schlagfläche besser zu kontrollieren.

Er kann ihm jedoch weder das Lesen eines Drei-Meter-Putts mit Break abnehmen noch die richtige Geschwindigkeit liefern.

Für wen könnte der Piretti tatsächlich interessant sein?

Vor allem für Golfer, die bereits relativ konstant putten und genau wissen, welche Eigenschaften sie suchen.

Der Ferrara 2.5 dürfte besonders interessant für Spieler sein, die die klassische Ästhetik eines Blades bevorzugen, aber ein rotationsärmeres Balancekonzept ausprobieren möchten.

Der Savona 2.5 spricht eher jene an, die ein kompakteres Mallet und etwas mehr Stabilitätsgefühl suchen.

Für beide gilt jedoch dasselbe:

Der Kauf sollte das Ergebnis eines Tests sein – nicht der Ausgangspunkt einer Hoffnung.

Wer einen Putter für 549 Dollar kauft, weil sein aktueller Putter „nicht funktioniert“, ohne die Ursache seiner Probleme zu kennen, tauscht möglicherweise nur ein Problem gegen ein deutlich teureres aus.

Fazit: hervorragend gefertigt, technisch interessant – aber keine Magie

Die Piretti No-Torque Putter sind interessante Produkte.

Nicht, weil Piretti das Putting neu erfunden hätte. Und auch nicht, weil das Wort „No-Torque“ automatisch bessere Ergebnisse garantiert.

Interessant sind sie, weil eine kleine amerikanische Premium-Manufaktur versucht, ein modernes Balancekonzept mit einer vergleichsweise klassischen Formensprache zu verbinden.

Die Verarbeitung wirkt hochwertig. Die Materialwahl ist überzeugend. Ferrara 2.5 und Savona 2.5 bieten zwei unterschiedliche Interpretationen derselben technischen Idee.

Doch der Preis von 549 Dollar verändert die Maßstäbe.

In dieser Preisklasse reicht es nicht, dass ein Putter schön aussieht, hervorragend gefräst ist oder sich auf dem Teppich im Pro-Shop fantastisch anfühlt. Er sollte für den jeweiligen Spieler nachweisbar besser funktionieren.

Und genau deshalb ist beim Piretti No-Torque der wichtigste Test nicht der Finger-Balance-Test, nicht die Produktbeschreibung und schon gar nicht das Preisschild.

Es ist der nächste Putt.

Und der danach.

Und die nächsten hundert.

Diese Putter sind keine Magie. Sie sind außergewöhnlich hochwertig gefertigte Werkzeuge, die auf einer interessanten mechanischen Idee beruhen. Ob diese Idee Sie zu einem besseren Putter macht, lässt sich nur mit einem Ball, einem Grün und Ihrem eigenen Stroke herausfinden.

Manchmal ist genau diese Unterscheidung das, worüber die Golfindustrie am wenigsten gerne spricht.

Von Laurent Agostini

Laurent Agostini ist seit 2010 als Golfjournalist tätig. Er ist Gründer von MyGolfMedia und Autor mehrerer Golfbücher, darunter *Penser avant de swinguer*. Er beschäftigt sich mit aktuellen Entwicklungen im Golfsport, Technologien, Ausrüstung und Methoden zur Spielverbesserung. Seine journalistische Arbeit zeichnet sich durch einen unabhängigen Ansatz aus, der auf Fakten, Daten und den Erfahrungen von Golfexperten basiert.

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