Bälle zu schlagen sollte eigentlich eine der einfachsten Möglichkeiten sein, sich im Golf zu verbessern. Doch wie viele Golfer schauen nach den ersten Minuten irgendwann häufiger darauf, wie viele Bälle noch im Korb liegen, als auf den Flug des gerade geschlagenen Balls? In einem Artikel für National Club Golfer räumte der britische Golfjournalist Matt Chivers ein, dass er sich auf der Driving Range bereits nach etwa 20 Minuten langweilt. Besonders interessant ist seine Erfahrung, weil er keineswegs Anfänger ist: Chivers spielt mit einem Handicap-Index von 4,6 und Golf begleitet ihn seit seiner Jugend.
Seine Aussage wirft eine interessantere Frage auf als die nach mangelnder Motivation. Was, wenn das Problem gar nicht darin besteht, dass manche Golfer nicht gerne trainieren, sondern vielmehr darin, wie wir die Driving Range nutzen?
Mir geht es häufig genauso. Wenn ich heute trainieren gehe, kaufe ich nur selten mehr als einen Korb. Im Golf de Saint-Cyprien, wo ich regelmäßig spiele, enthält ein Korb derzeit 35 Bälle. Selbst bei dieser überschaubaren Menge bleibt es normalerweise dabei. Meist gehe ich auf die Range, um mich einzuschwingen, ein paar vertraute Gefühle zurückzugewinnen und zu überprüfen, ob mein Schwung einigermaßen funktioniert, bevor ich auf den Platz gehe. Doch schon nach relativ kurzer Zeit wird die Übung repetitiv.
Das Paradoxe daran ist, dass ich in meinem Golferleben Tausende von Rangebällen geschlagen habe. Als ich Golfschläger mit TrackMan testete, konnte ich zwei oder drei Stunden vor dem Launch Monitor verbringen, ohne wirklich zu merken, wie die Zeit verging. Der Unterschied war einfach: Jeder Ball beantwortete eine Frage. Was bewirkt dieser Schaft? Was verändert sich mit diesem Loft? Erzeugt dieser Schlägerkopf tatsächlich weniger Spin? Wie groß ist der durchschnittliche Unterschied zwischen zwei Konfigurationen? Ich schlug keine Bälle, nur um Bälle zu schlagen. Ich führte einen Test durch.
Vielleicht beginnt genau hier das Problem der traditionellen Driving Range.
Eine Menge kaufen, kein Ziel
Wenn wir einen Korb Rangebälle kaufen, kaufen wir zunächst eine Menge. 35, 50 oder 100 Bälle, die irgendwie geschlagen werden müssen, bevor wir wieder gehen. Eigentlich ist das eine merkwürdige Art, eine Trainingseinheit zu organisieren. Wir geben uns nicht zwangsläufig eine Aufgabe oder formulieren eine Frage, die wir beantworten wollen. Vor uns steht einfach ein Vorrat an Bällen, den wir nach und nach verschwinden lassen.
Für einen Golfanfänger kann diese Wiederholung faszinierend sein. Fast jeder Schlag bringt eine neue Erfahrung. Den Ball endlich richtig in die Luft zu bekommen, die Mitte der Schlagfläche zu treffen oder einen Drive mit einer zufriedenstellenden Flugkurve zu schlagen, liefert unmittelbar eine Information und ein Erfolgserlebnis. Einige Jahre später sieht das anders aus. Ein erfahrener Golfer hat möglicherweise bereits Zehntausende Bälle geschlagen. Noch ein ordentlich getroffener Eisen-7-Schlag von einer vollkommen ebenen Matte bringt ihm nicht zwangsläufig eine neue Erkenntnis.
Genau deshalb ist die Erfahrung von Matt Chivers interessant. Er schreibt, dass er kaum länger als 20 Minuten auf der Range durchhält. Gleichzeitig beschreibt er in seinem Artikel, wie viel Freude es ihm bereitet, seine Probleme selbst zu diagnostizieren und auf dem Platz nach Lösungen zu suchen. Offenbar langweilt ihn also nicht die Suche nach einer Lösung. Eher scheint ihn die Wiederholung zu langweilen. Mit einem Handicap-Index von 4,6 räumt er allerdings ein, dass diese Abneigung gegen längeres Training inzwischen eine Grenze für seine weitere Entwicklung darstellen könnte.
Auch einige Leserreaktionen unter seinem Artikel führen zu derselben Frage. Ein Leser beschreibt, wie er mit nur wenigen Bällen eine konkrete Übung mit seinem Eisen 8 aufbaut. Ein anderer beobachtet auf Driving Ranges vor allem Golfer, die immer wieder denselben schlechten Schwung wiederholen. Beides führt zu einer einfachen Frage: Welchen Nutzen hat es, eine Bewegung zu wiederholen, wenn wir gar nicht genau wissen, was wir dabei eigentlich wiederholen?
Ein schlechter Schlag zeigt das Ergebnis, selten die Ursache
Das habe ich vor Kurzem selbst mit meinem Holz 5 erlebt. Während einer Trainingseinheit produzierten einige Schläge überhaupt nicht das erwartete Ergebnis. Natürlich konnte ich den Ballflug beobachten und versuchen, daraus abzuleiten, was passiert war – so wie es wahrscheinlich jeder Golfer macht. Erst nach der Einheit bemerkte ich auf einem Foto, das ein Freund von mir aufgenommen hatte, eine Position meiner linken Schulter, die mir während des Schlagens überhaupt nicht bewusst gewesen war.
Ein einzelnes Foto ermöglicht selbstverständlich keine biomechanische Diagnose und beweist erst recht nicht, dass diese Position für meine schlechten Schläge verantwortlich war. Genau deshalb ist diese Erfahrung interessant. Während der Trainingseinheit hätte ich meine Hände, den Schlägerweg, mein Gleichgewicht oder zahlreiche andere Faktoren verantwortlich machen können, ohne dieses Element überhaupt erkannt zu haben. Ich weiß bis heute nicht, ob die Schulterposition tatsächlich die Ursache des Problems war. Aber ich weiß jetzt zumindest, worauf ich bei einer der nächsten Trainingseinheiten achten kann.
Das ist eine der grundlegenden Grenzen der Driving Range. Sie liefert uns sehr viele Ergebnisse, aber vergleichsweise wenige Diagnosen. Der Ball fliegt nach links, nach rechts, zu niedrig oder zu hoch. Wir sehen, was er macht. Warum er es macht, wissen wir sehr viel seltener.
Auch moderne Technik löst dieses Problem nicht vollständig. Ein Launch Monitor kann das Verhalten von Schläger und Ball mit bemerkenswerter Präzision messen: Geschwindigkeit, Launch Angle, Spin, Flugkurve, Streuung oder Distanz. Diese Informationen können äußerst wertvoll sein. Doch etwas zu messen bedeutet nicht automatisch, es zu erklären. Daten können zeigen, dass sich Schlägerweg oder Schlagflächenstellung verändert haben, ohne uns zu sagen, warum unser Körper diese Veränderung hervorgerufen hat. Ein Launch Monitor verbessert das Feedback erheblich; er verwandelt aber nicht automatisch jeden Ball in eine Golfstunde.
Warum langweilt uns der Golfplatz viel weniger?
Der Vergleich mit einer Runde auf dem Golfplatz ist aufschlussreich. Wir können vier Stunden lang 18 Löcher spielen, ohne die Monotonie zu empfinden, die manche Golfer schon nach 20 Minuten auf der Driving Range verspüren. Dabei schlagen wir auf dem Platz deutlich weniger Bälle.
Ein wesentlicher Unterschied liegt in der Vielfalt der Aufgaben. Ein Ball liegt etwas tiefer als unsere Füße, der nächste im Rough. Der Wind verändert sich. Die Fahne steht links hinter einem Bunker. Wir müssen zwischen zwei Schlägern wählen, eine Flugkurve anpassen, bewusst 20 Meter rechts von einem Hindernis spielen oder einen aggressiveren Schlag riskieren. Vor allem aber hat jeder Schlag eine Konsequenz. Nach einem Fehler liegt nicht automatisch drei Sekunden später der nächste Ball vor uns.
Auf der Range herrschen häufig nahezu gegenteilige Bedingungen. Dieselbe Matte, dieselbe Lage, dieselbe Richtung, zehn oder fünfzehn Schläge mit demselben Schläger und nach jedem Fehler die unmittelbare Möglichkeit, es noch einmal zu versuchen. Diese Wiederholung kann sinnvoll sein, wenn gezielt an einer technischen Veränderung gearbeitet wird. Sie kann aber auch einen irreführenden Eindruck von Fortschritt erzeugen: Wer denselben Schläger immer wieder auf dasselbe Ziel schlägt, wird während der Einheit normalerweise besser darin, genau diese Aufgabe zu bewältigen. Entscheidend ist jedoch, was davon übrig bleibt, wenn dieser Schlag 20 Minuten später auf dem Platz ein einziges Mal funktionieren muss.
Was sagt die Forschung tatsächlich?
Die Unterscheidung zwischen guter Leistung während des Trainings und dauerhaftem Lernen wird in der motorischen Lernforschung seit Langem untersucht. Ein wichtiges Konzept ist dabei die sogenannte „kontextuelle Interferenz“. Vereinfacht gesagt wird eine geblockte Übungsform – dieselbe Aufgabe mehrfach hintereinander auszuführen – mit Trainingsformen verglichen, bei denen unterschiedliche Aufgaben häufiger abgewechselt werden.
Eine 2024 veröffentlichte Meta-Analyse von Stanisław H. Czyż, Aleksandra M. Wójcik und Petra Solarská wertete quantitativ 34 Studien mit insgesamt 1.421 Teilnehmern aus. Insgesamt fanden die Autoren beim Transfer des Gelernten einen Vorteil für zufällig angeordnete Übungsformen. In anwendungsnahen Studien war dieser Vorteil allerdings wesentlich weniger überzeugend: Der Effekt war gering und statistisch nicht signifikant. Ergebnisse aus dem Labor rechtfertigen deshalb nicht die einfache Behauptung, dass ein ständiger Wechsel von Schlägern oder Aufgaben unter realen Sportbedingungen grundsätzlich besseres Lernen erzeugt.
Auch die golfspezifische Forschung verlangt Zurückhaltung. Philipp Barzyk und Markus Gruber veröffentlichten 2024 einen systematischen Review von 52 randomisierten kontrollierten Studien zu unterschiedlichen Ansätzen des motorischen Lernens im Golf. Die Autoren fanden Hinweise auf mögliche Vorteile einer stärkeren kontextuellen Interferenz sowie verteilter oder variabler Übungsformen. Gleichzeitig weisen sie auf erhebliche Einschränkungen der vorhandenen Forschung hin. Mehr als die Hälfte der Studien verfügte über eine unzureichende statistische Aussagekraft, und ein großer Teil der Untersuchungen wurde mit Anfängern bei vergleichsweise einfachen Putting-Aufgaben durchgeführt. Daraus lassen sich also keine präzisen, allgemeingültigen Trainingsempfehlungen ableiten – erst recht nicht für erfahrene Golfer.
Ein Experiment aus dem Jahr 2018 mit 24 Teilnehmern verdeutlicht diese Nuance anhand des kurzen Spiels. Die Probanden trainierten drei Varianten eines 5,5 Meter langen Chips aus unterschiedlichen Balllagen, entweder blockweise oder in wechselnder Reihenfolge. Die zufällige Übungsgruppe war bei einem ebenfalls zufällig angeordneten Retentionstest präziser. Wurde der Retentionstest dagegen blockweise durchgeführt, zeigte sich kein signifikanter Unterschied.
Es wäre deshalb übertrieben, daraus zu schließen, dass 35 abwechslungsreich geschlagene Bälle grundsätzlich besser seien als 100 wiederholte Schläge. Die Forschung deutet für unsere Fragestellung auf etwas Interessanteres hin: Während einer Trainingseinheit immer besser zu werden bedeutet nicht zwangsläufig, dass wir für die nächste Golfrunde auch mehr gelernt haben.
Was, wenn die Anzahl der Bälle gar nicht das Problem ist?
Wiederholung bleibt in bestimmten Situationen selbstverständlich notwendig. Ein Golfer, der gezielt an einer technischen Veränderung arbeitet, muss dieselbe Bewegung möglicherweise sehr oft reproduzieren. Tourprofis verbringen teilweise genau deshalb Stunden auf der Driving Range. Der entscheidende Unterschied besteht darin, dass sie in der Regel wissen, woran sie arbeiten.
Für einen Amateur, der allein auf die Range kommt, könnte die erste Frage deshalb weniger lauten: „Wie viele Bälle werde ich heute schlagen?“, sondern vielmehr: „Was möchte ich wissen, wenn ich wieder gehe?“ Allein diese Veränderung kann die Art und Weise, wie wir einen Korb Bälle verwenden, grundlegend verändern.
35 Bälle, 35 Aufgaben
5 Bälle zum Aufwärmen. Zunächst keine besondere technische Suche. Den Kontakt wiederfinden und die ersten Ballflüge beobachten.
10 Bälle für ein einziges Problem. Eine konkrete Frage auswählen, anstatt einfach „am Schwung zu arbeiten“: Ballkontakt, Startrichtung, Flugkurve, Streuung oder ein bestimmtes Gefühl.
5 Bälle zum Beobachten. Einige Schwünge von vorne oder entlang der Ziellinie filmen, Gefühl und Realität miteinander vergleichen und anschließend ein Element auswählen, das getestet werden soll, statt mehrere Korrekturen gleichzeitig vorzunehmen.
5 Bälle zum Experimentieren. Nur einen Parameter verändern und beobachten, was passiert. Ändert sich nichts oder verschlechtert sich das Ergebnis, zum Ausgangspunkt zurückkehren.
10 Bälle, um Golf zu spielen. Nach jedem Schlag Schläger und Ziel wechseln. Einige Löcher simulieren: Driver, Annäherung, Wedge – anschließend ein neues imaginäres Loch beginnen. Für jeden Schlag gibt es nur einen Ball, genau wie auf dem Golfplatz.
Das ist weder eine universelle Trainingsmethode noch eine wissenschaftlich validierte Vorschrift. Es ist lediglich eine Möglichkeit, jedem Ball eine Funktion zu geben. Und es gibt keine Regel, nach der ein Korb unbedingt leer geschlagen werden muss. Wenn die Frage, die uns auf die Driving Range gebracht hat, nach 25 Bällen beantwortet ist, bringen uns die verbleibenden zehn mechanisch geschlagenen Bälle wirklich noch weiter?
Langeweile auf der Range ist vielleicht kein Motivationsproblem
Matt Chivers glaubt, dass er vermutlich nie so gut werden wird, wie er werden könnte, weil ihm inzwischen die Geduld für längere Trainingseinheiten fehlt. Was seine eigene Entwicklung betrifft, mag er damit recht haben. Die besten Golfer investieren enorm viel Zeit ins Training, und es gibt keine Abkürzung, die diese Arbeit vollständig ersetzen kann.
Doch seine Erfahrung legt noch eine andere Interpretation nahe. Er sucht gerne nach Lösungen und versucht zu verstehen, warum etwas nicht funktioniert. Mir selbst können heute einige Dutzend ziellos geschlagene Bälle langweilig erscheinen, obwohl ich früher stundenlang auf einer Range bleiben konnte, wenn jeder Schlag eine konkrete Frage beantwortete. Vielleicht liegt das Problem also nicht nur in der Länge unserer Aufmerksamkeitsspanne. Vielleicht liegt es auch darin, welchen Sinn wir der Wiederholung geben.
Die Driving Range bleibt ein hervorragendes Trainingsinstrument. Wir sollten nur aufhören, die Anzahl der geschlagenen Bälle mit der Menge des tatsächlich Gelernten zu verwechseln.
Ein Korb Rangebälle gibt uns eine Menge vor. Das Training sollte uns ein Ziel geben.
